Samstag, 3. Februar 2018

Ich reflektiere meine alten Texte

Das Jahr ist nun schon einen Monat alt und ich gehe enthusiastisch die vielen neuen Pläne an, die ich für 2018 habe. Doch um Neues entstehen zu lassen, müssen wir ab und an auch zurückschauen. Schließlich sind es unsere Erfahrungen, unser Wissen und unsere bisherige Entwicklung, auf die wir uns stützen, wenn wir unsere Zukunft planen. In meinem Fall ist die Weiterentwicklung als Texterin dieses Jahr ein großes Ziel für mich. Neben dem beruflichen Schreiben bin ich seit fast einem Jahr hier auf Blitzlichtglitzer aktiv. Zeit also, meine bisherigen Blogartikel einmal zu reflektieren. Ich gehe chronologisch rückwärts vor und präsentiere Dir meine Gedanken zu folgenden Arten von Blogposts:

Buntes Konfetti neben einem Laptop und einem pinkfarbenen Notizbuch mit der Aufschrift "Amazing"
Texten macht Spaß! Doch manchmal musst Du auch auf die Schattenseiten schauen.


Der schlecht recherchierte Artikel

Im November letzten Jahres schrieb ich einen Artikel mit dem Titel Ich bin ambivertiert ‒ na und?! (falls Du ihn noch nicht kennst, empfehle ich zum besseren Verständnis, ihn erst zu lesen). Ich mag diesen Text. Er ist mir sprachlich gut gelungen. Dass er inhaltlich so einige Ungereimtheiten aufweist, wurde mir erst durch das Feedback von Peter klar. Er listete mir in einem langen und ausführlichen Kommentar all das auf, was in meinem Text seiner Ansicht nach fehlte, widersprüchlich oder ungenau ausgedrückt war. Und er hatte in vielen Punkten absolut recht ‒ inhaltlich fügte er meinen Ausführungen wichtige Details hinzu beziehungsweise korrigierte mich; bezüglich der persönlichen Meinung zum Thema stimme ich ihm nicht immer ganz zu. Um die Definition von Ambiversion also nachträglich zu ergänzen, möchte ich aus Peters Kommentar zitieren:

"Schön, daß Du so gründlich bist (es klingt immer gut, wenn das andere von einem sagen), die gesamte Oberfläche Deiner Ambiversion auszuloten. Du scheinst ja viel Talent für Sprache zu haben, aber es kann manchmal auch gut sein, einer Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Freilich, nach jedem lateinischen Schulwörterbuch bedeutet ambo=beide. Daß das ~vertiert von vertere=wenden kommt, muß man nicht eigens erwähnen, aber auf 'ambo' wollen wir mal etwas genauer schauen. Es ist nämlich gar kein lateinisches Wort, sondern aus dem Griechischen entlehnt. Da heißt es ἀμφί, das kennen wir in unserer Sprache in 'Amphitheater' oder in 'Amphibie'. Das Wundersame daran ist nun die etwas andere Bedeutung, es heißt gewissermaßen 'überall', oder etwas umständlicher umschrieben: 'um alle Seiten herum' (es meint damit eine stärker gerichtete Bewegung als das nachhomerisch häufig synonym benutzte περί, ursprünglich ein eher ungerichtetes 'drumherum'). Also ist das Amphitheater ein rundes Gebilde, in dem man von allen Plätzen aus gleichermaßen gut auf die Spielfläche sehen kann, und eine Amphibie ein Wesen, das überall (im Wasser wie an der Luft) atmen und also überall (in Meer oder See, in der Erde und auf der Erde, sogar wie ein Vogel in der Luft) zu leben vermag."

Mit dieser Erklärung werden die Schlüsse, die ich im Artikel aus der Definition von "ambivertiert" ziehe, viel sinnvoller (Peter ist in seinem Kommentar da anderer Meinung). Wenn jemand, der ambivertiert ist, überall sein kann, sich also in verschiedenen Situationen wohlfühlt, passt das ziemlich gut dazu, dass ich Ambiversion als "eine große Grauzone mit vielen Schattierungen" bezeichne ‒ so vielfältigen Schattierungen, dass sie "eigentlich ganz schön bunt" ist. Nun heißt in verschiedenen Situationen nicht überall. Jede (ambivertierte) Person ist anders. Aber theoretisch kann sie überall ihren Platz finden, nur eben nicht überall gleichzeitig. Braucht es dann noch die Bezeichnung "ambivertiert"? Vermutlich nicht. Sind nicht schon "introvertiert" und "extrovertiert" unnötige Konstrukte?

Vielleicht hat mein Text deshalb so viele Ungereimtheiten: Ich bin wohl selbst nicht ganz einverstanden mit diesen vorgefertigten Charaktertypen. Mich hat das Thema vor allem deshalb angesprochen, weil ich mich in der Vergangenheit so darüber ärgerte, als introvertiert bezeichnet zu werden. Die Idee kam nicht von mir, sondern entstammt einer Kooperationsanfrage, die mein Interesse weckte. Für Kooperationen, auch wenn sie nur unter Blogger*innen stattfinden, vereinbart man einen gewissen Rahmen für den Blogpost. Die Aufgabe, den Charaktertyp "ambivertiert" zu beschreiben, und meine persönliche Ansicht, die eher gegen derartige Schubladen spricht, korrelierten. Daraus resultiert wohl die Widersprüchlichkeit des Artikels und deshalb ist er vielleicht nicht so gründlich recherchiert ‒ ungünstig, dass ich ausgerechnet in diesem Text meine Eigenschaft, gründlich zu sein, betonte. Peter schrieb noch einen Satz, der sich für ein Resümee des Artikels gut geeignet hätte: "Die Schubladen sind nur geeignet als grobes Hilfsgerüst, um die Eindrücke von sich oder andren in eine gewisse Grundordnung zu sortieren."

Daraus lerne ich: Dass mich ein Thema interessiert und ich vermeintlich intuitiv schon einiges darüber weiß, ersetzt nicht die gründliche Recherche.

Der meistgelesene Artikel

Der meistgelesene Artikel auf meinem Blog heißt Ich habe gekündigt! Dass dieser Post häufig angeklickt werden würde, war mir von vornherein klar. Eine solche Aussage machst Du schließlich nicht jeden Tag ‒ wenn überhaupt. Vieles könnte sich hinter dieser Überschrift verbergen. Eine dramatische Geschichte oder eine Abrechnung zum Beispiel. In Wahrheit habe ich mich einfach neu orientiert, wollte mich weiterentwickeln und habe einen anderen Weg eingeschlagen. Ich finde den Text gut, weil er hilfreich ist für Menschen, die sich auch beruflich verändern möchten, Personen in meinem Alter, die mit ihrem ersten richtigen Job vielleicht noch nicht das gefunden haben, was sie sich erträumen. Ich habe einige Mühe und viel Freude in die Geschichte meiner Neuorientierung investiert.

Vor diesem Post war Menschen-Vielfalt im Supermarkt der erfolgreichste Artikel auf diesem Blog. Das Interessante daran ist: Ich habe in diesem Beitrag lediglich meine Beobachtungen in einem Supermarkt an einem Tag kurz vor Ostern aufgeschrieben. Das hat nicht lange gedauert und ich musste mir dazu auch nichts ausdenken, denn alles ist genau so passiert. Ich habe nicht viel Denkleistung in diesen Blogpost gesteckt und dennoch scheint er viele Menschen angesprochen zu haben.

Daraus lerne ich: Bis zu einem gewissen Grad kann ich beeinflussen, wie gut meine Texte ankommen werden. Doch alles lässt sich nicht planen ‒ und manchmal hält die Leser*innenschaft Überraschungen bereit.

Fehler und Schwächen einzugestehen ist eine Stärke. | Foto: hml-art

Die kaum gelesenen Artikel

Als ich darüber nachdachte, welche meiner Blogposts wohl die wenigsten Aufrufe hätten, vermutete ich, es seien die Gedichte. Nicht, weil ich sie schlecht finde, sondern weil sich Gedichte bei jüngeren Menschen leider nicht allzu großer Beliebtheit erfreuen. Zumindest nicht in der geschriebenen Form ‒ mit Poetry Slam konnte ich mich nie wirklich anfreunden. Sie gehören zwar nicht zu den meistgelesenen Beiträgen, doch ganz so schlecht, wie ich dachte, steht es um meine Gedichte nun auch wieder nicht. Meine am wenigsten gelesenen Artikel stammen aus den ersten zwei Monaten des Blogbestehens. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass Besser in Blond?! und Frühlingsgefühle auf dem Kreuzberg nicht sonderlich viele Leser*innen angezogen haben. Letzterer übrigens darf mit Würde den Titel des Posts mit den wenigsten Aufrufen tragen, denn zwischen einigen schönen Fotos befindet sich hier nur wirklich belangloser Text.

Daraus lerne ich: Es kann eine Weile dauern, bis meine Texte gelesen werden. Das Bloggen erfordert Geduld. Wenig gelesene Artikel müssen nicht zwingend schlecht sein (sind es aber manchmal). Ich kann trotzdem zu ihnen stehen und sehe sie mir später noch einmal an, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Die gelöschten Artikel

Ja, auf meinem Blog gab es einmal zwei Artikel, die heute nicht mehr da sind. Ich bin ein Fan davon, auch Beiträge, die ich nicht hundertprozentig perfekt finde, stehen zu lassen, denn "perfekt" gibt es eigentlich gar nicht. Wer weiß, wie viel hier überhaupt noch stünde, würde ich jeden Inhalt löschen, an dem es etwas zu bemängeln gäbe. Doch wenn ich mich wirklich unwohl fühle mit einem Blogpost, der auf meiner Webseite steht, öffentlich und unter meinem Namen, dann ist es richtig, ihn zu löschen. Einer der beiden Beiträge, die nicht mehr da sind, war Teil einer Blogparade. Da tat sich ein ähnliches Problem auf wie bei dem Artikel über Ambiversion. Der Post passte nicht zu mir und auch nicht zu meinem Blog. Er drehte sich um das Basteln von Osterdekoration. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch nicht ganz sicher, in welche Richtung dieser Blog sich wenden sollte, und wollte etwas ausprobieren; vermutlich etwas, das "immer gut ankommt".

Der zweite Beitrag drehte sich zwar um ein mir persönlich wichtiges Thema, doch ich bin mit der Umsetzung nicht zufrieden. Ich habe mir viel zu wenig Zeit genommen, krampfhaft versucht, den Artikel in ein "gut ankommendes" Schema zu pressen und hätte viel ausführlicher schreiben können. Zu dieser Zeit brachte ich noch einen Blogpost pro Woche heraus ‒ für hochqualitative Artikel einer Person, die Vollzeit+ anderweitig beschäftigt ist, viel zu oft.

Daraus lerne ich: Ich muss mich mit meinen veröffentlichten Texten wohlfühlen. Perfekt können sie nicht sein, doch Unbehagen sollten sie mir auch nicht bereiten. Außerdem: Qualität geht immer vor Quantität.

Reflektierst Du auch manchmal Deine Texte oder anderen kreativen Arbeiten? Welche Erkenntnisse hast Du dabei? Und welche Methoden wendest Du dazu an? Das würde mich brennend interessieren! Ich kann jedenfalls nur empfehlen, nicht zu oft, aber doch ab und an auf das Vergangene zurückzuschauen und daraus Wertvolles für die Zukunft mitzunehmen. 


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Montag, 18. Dezember 2017

Respekt an Weihnachten | Glitzerpäckchenverlosung

Die einen feiern Weihnachten, die anderen nicht. Einige tun es aus religiösen Gründen, viele auch einfach so. Manche feiern Weihnachten nicht, obwohl sie getauft sind. Wieder andere feiern etwas ganz anderes als die Geburt Jesu Christi. Selbst die Menschen, die die Heilige Nacht alljährlich zelebrieren, tun dies auf unterschiedlichste Weise, weil sie alle verschiedene Traditionen gewohnt sind. Wie viele ungleiche Weihnachten es in Deiner Stadt wohl gibt?

Pink verpackte Geschenke stehen auf dem Fensterbrett, draußen ein Tannenbaum.
Geschenkestress vs. liebevolle Aufmerksamkeit

Den Weihnachtsabend verbringen Menschen mit ihrer Familie oder mit Freund*innen oder allein. Für manche ist es ein Tag wie alle Tage, andere macht er traurig. Viele haben sich schon lange auf ihn gefreut – weil sie ihre Lieben nach langer Zeit wiedersehen, ein gedankenvolles Geschenk endlich überreichen möchten oder einfach Urlaub brauchen. Der eine findet die Abmachung, einander nichts zu schenken, insgeheim doof. Die andere fragt sich, warum sie sich den ganzen Weihnachtsstress schon wieder antut. Für die einen ist Heiligabend der Höhepunkt eines traumhaften Dezembers. Andere versetzt er in Panik. Und einigen ist er völlig gleichgültig.

Die einen gehen zu Weihnachten in die Kirche und hören klassische Weihnachtslieder. Die anderen tanzen ausgelassen zu Last Christmas und schauen Weihnachtsmann & Co. KG. Dort gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen, da ein veganes Festessen. Viele Menschen glauben, Weihnachten auf die einzig richtige Art zu feiern. Dabei gibt es so viele. Schnell wird geurteilt über jene, die es anders machen – vor allem, wenn sie die Feiertage nicht im heiligen Kreise der Familie und in unerbittlicher Stille verbringen.

Ausgerechnet Supermarkt-Werbung maßt sich immer wieder an, dieses Urteil zu verstärken. Sorgte Edeka sich im letzten Jahr noch darum, dass wir den Opa vergessen, erwartet Penny nun, dass wir uns versöhnen. Doch es gibt auch unzumutbare Familien und viele weitere Gründe, Weihnachten anders zu feiern als andere. Und auf ein Zusammentreffen mit den vermeintlichen Lieben zu verzichten.

Drei aufeinander getürmte Geschenke auf dem Fensterbrett, eingewickelt in pink glitzerndes Papier.
Mit ein bisschen Dichterglück gewinnst Du eine glitzernde Überraschung!


Zelebriere die Feiertage so wie Du willst oder gar nicht. Schenke den Menschen etwas, die Dir wirklich wichtig sind, oder schenke allen etwas oder niemandem. Besuche Familie oder Freund*innen oder tu es nicht. Bleib Deinen Traditionen treu oder probiere etwas Neues aus. Mach Dich hübsch zurecht oder bleib im Bett. Geh spazieren oder leg Dich in die Badewanne. Koche Dein Festessen selbst oder lass es jemand anderen zubereiten oder bestelle es. Hilf irgendwo ehrenamtlich aus oder lass es bleiben. Tu, was Du willst. Versöhne Dich mit Dir selbst und genieße die Zeit, die Du hast. Und respektiere die Entscheidungen Deiner Mitmenschen – zu Weihnachten und immer.

Ich mag an Weihnachten den Anlass zum Schenken. Deshalb findest Du auf meiner Facebook-Seite meine Glitzerpäckchenverlosung. Mach mit und mit etwas Glück erhältst Du eine kleine glitzernde Überraschung von mir. 🎊 Alle weiteren Bedingungen findest Du in meinem Facebook-Gewinnspiel-Post. Und was magst Du an Weihnachten/den Feiertagen/dem Jahreswechsel? Wie verbringst Du die freie Zeit?

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Sonntag, 26. November 2017

Ich bin ambivertiert. Na und?! – #Soulcarespecial

Bin ich eigentlich introvertiert oder extrovertiert? Bestimmt hast du dir diese Frage schon einmal gestellt und versucht, dich in eine der beiden Kategorien einzuordnen. Aber wusstest du eigentlich, dass man auch ambivertiert sein kann? In meinem Teil des #Soulcarespecial von Kisudoesstuff erfährst du, was ambivertiert bedeutet und warum du dich für deine Wesensart nicht zu schämen brauchst!

Ich bin ambivertiert... NA UND?
Bist du auch ein Pinguin? Oder eher eine Eule (introvertiert) oder eine Krähe (extrovertiert)?


"Du musst einfach extrovertierter werden", sagte, nicht ohne einen Hauch von Verzweiflung in der Stimme, mein Klassenlehrer zum gefühlt einhundertsten Mal zu mir. Er  aus heutiger Sicht  selbst eher von der introvertierten Sorte. Ich hatte keine Ahnung, was genau beide Worte bedeuteten. Ich wusste nur: Extrovertiert = gut. Ich, seiner Meinung nach introvertiert = schlecht. Davon abgesehen, dass mir diese Aussage suggerierte, ich sei schlecht, war ich mit dieser Bewertung meiner Persönlichkeit nicht einverstanden. Attribute wie "passiv, schüchtern und reserviert" passten mir so gar nicht. Ich bin zwar auch kein Social Butterfly, keine nervige Labertasche, kann gut und gerne Zeit allein verbringen. Aber ein Mauerblümchen, jemand, der sich verstecken und mit niemandem etwas zu tun haben will, eine Einzelgängerin bin ich nicht. Ich stand als Kind und Jugendliche schon ständig musikalisch auf der Bühne, halte gerne Vorträge und werfe mich dem Internet zum Fraß vor... Geht das überhaupt, wenn man nicht extrovertiert ist?

Ambivertiert... Was ist das denn?

Als Kisu mich gefragt hat, ob ich an ihrem #Soulcarespecial teilnehmen möchte, habe ich ein neues Wort gelernt: ambivertiert. Was das ist? Ambiversion ist eine große Grauzone mit vielen Schattierungen, die sich zwischen den beiden Extremen introvertiert und extrovertiert befindet. So einfach, wie es sich Schwarz-und-Weiß-Denker wie mein Klassenlehrer gerne machen, ist es nämlich nicht: Kaum ein Mensch ist tatsächlich nur das eine oder das andere.

Schauen wir uns die jeweiligen Merkmale einmal genauer an, stellen wir fest, dass die Vorstellung einer Welt, in der alle Menschen auf diese beiden Schubladen verteilt sind, nicht sonderlich sympathisch erscheint. Extrovertierten wird nachgesagt, sie seien laut, künstlich, raumeinnehmend, smalltalk-begabt, egoistisch und sie kämen mit ihrer Einstellung auch noch hervorragend durchs Leben. Introvertierte hingegen haben den Ruf, ein zurückgezogenes Leben zu führen, Kontakte zu (verab-)scheuen, nie etwas zu sagen und keine eigene Meinung zu haben, obwohl sie den ganzen Tag lang grübeln  was ihrem Erfolg im Leben nicht gerade zugute kommt.

Jetzt habe ich natürlich die negativen Aspekte besonders hervorgehoben. Dabei lassen sich die kontaktfreudigen, durchsetzungsstarken Extrovertierten noch durchaus einfach positiv beschreiben, während die introvertierten Eigenbrötler es schwerer haben. Deshalb auch die häufige Einteilung in gut (extrovertiert) und schlecht (introvertiert). Völliger Unsinn, wenn du mich fragst, und zum Glück weichen diese Stereotype inzwischen schon immer mehr auf.

Ambiversion irgendwas dazwischen

Das Wort ambivertiert kommt von lat. ambo = beide. Das heißt, ambivertiert zu sein, bedeutet eigentlich nicht, zwischen den Stühlen zu sitzen, sondern sowohl introvertierte als auch extrovertierte Merkmale in der eigenen Persönlichkeit zu vereinen. Ambiversion lässt sich nicht eindeutig definieren. Ob du eher in Richtung extrovertiert oder introvertiert tendierst oder dich genau in der Mitte befindest und welche Merkmale beider Zustände im Speziellen auf dich zutreffen, hängt ganz von deinem individuellen Wesen ab. Das sind die vielfältigen Schattierungen unserer Grauzone, die sie eigentlich ganz schön bunt machen.

Ambivertiert zu sein, kann viele Vorteile haben – abhängig davon, welche Eigenschaften des introvertierten und des extrovertierten Typs du vereinst. So profitierst du beispielsweise gleichermaßen von deiner Freude an Smalltalk und dem Knüpfen neuer Kontakte sowie deiner Fähigkeit, gut zuzuhören und Sachverhalte klug zu durchdenken, bevor du eine Entscheidung triffst. Außerdem kannst du deine Energie womöglich aus verschiedenen Quellen schöpfen: Allein bei einem guten Buch oder einer spannenden Serie entspannst du dich genauso gern wie an einem geselligen Abend mit deinen Freunden.

Ich schaue hinter einem Baum hervor
Ich bin ambivertiert! Mal mehr, mal weniger gesprächig.

Warum ich ambivertiert bin

Kisu kam auf mich zu mit der Anfrage, ob ich einen Blogpost über die Charaktereigenschaft schreiben könnte, die aus den Optionen intro-, extro- und ambivertiert am ehesten auf mich zutrifft. Gegen das introvertierte Extrem habe ich mich stets gewehrt, weil es meiner Ansicht nach nicht auf mich zutrifft. Steht als Alternative nur noch extrovertiert zur Wahl, kann ich jedoch nachvollziehen, dass andere mich eher der Kategorie introvertiert zuordnen würden. Abgesehen davon, dass es nicht den anderen obliegt, meine Persönlichkeit zu beurteilen, möchte ich zum Schluss noch erläutern, warum ich mich mit der Ambiversion inzwischen am besten identifizieren kann.

Wie sehr ich das Alleinsein schätze, wird mir besonders bewusst, seit mein Leben zwischen Arbeit (Kolleg*innen), Uni (Kommiliton*innen) und Fernbeziehung (Freundin) rotiert. Alle zwei Wochen einen oder zwei Tage ganz mit mir allein zu verbringen, das finde ich wunderbar. Wenn ich nicht jede Minute von Menschen umgeben bin, genieße ich es viel mehr, mich mit Freund*innen, die mir wirklich wichtig sind, zu treffen und zu unterhalten. Ebenso spannend finde ich es, neue Leute kennenzulernen und mir ihre Geschichten anzuhören. Ich rede gerne – deshalb gehe ich lieber in Cafés, Bars oder auf WG-Partys und meide vollgestopfte Clubs, in denen es so laut ist, dass schon das Bestellen eines Getränks kaum möglich ist.

Es gibt Tage, Situationen und Uhrzeiten, zu denen meine Worte rar gesät sind. Ich nenne das Energiesparmodus. Manchmal gehe ich belanglosem Smalltalk oder uninteressanten Gesprächen bewusst aus dem Weg – weil es sich nicht lohnt oder ich schlicht keine Lust habe, Energie darin zu investieren. Weil ich ein Morgenmuffel bin, lernen mich Arbeitskolleg*innen und Kommiliton*innen leider häufig zunächst von dieser Seite kennen – und bilden sich ein vorschnelles Urteil. Dann drehen sie sich überrascht und erschrocken zu mir um, wenn ich plötzlich ausspreche, was alle denken und niemand zu sagen wagt. Wenn mir etwas wirklich wichtig ist, positioniere ich mich dazu und riskiere auch mal einen verärgerten Professor und in der Folge schlechte Noten.

Erst kürzlich sagte mir jemand, ich sei gründlich. Damit ist garantiert nicht meine Ordnungsliebe im Haushalt gemeint – hier herrscht ganz extrovertiertes Chaos. Vielmehr ging es um die Tatsache, dass ich viel nachdenke, recherchiere und analysiere, bevor ich mich zu etwas äußere. Ich würde mir nie eine abschließende Meinung bilden über einen Sachverhalt, von dem ich überhaupt keine Ahnung habe. Das ist zumindest mein Anspruch. Und für genau solche Grübeleien brauche ich die Kraft, die ich mir durch den Energiesparmodus aufhebe.

Ambivertiert. Na und? Sei, wie du bist!

Als mich mein Lehrer ansprach, da war ich nicht introvertiert. Da hatte ich zwar Probleme zu Hause und gehörte nicht gerade zu den Beliebtesten meiner Klasse. Der Rat, einfach extrovertiert zu werden, war jedoch fehl am Platz. Er sollte eine Antwort auf meine Sorgen sein. Mal eben deine Persönlichkeit zu wechseln, ist eine wenig lösungsorientierte Empfehlung – es ist nämlich gar nicht möglich. Du kannst nicht jemand anders sein. Und das musst du auch nicht. Egal, ob du intro-, extro- oder ambivertiert bist oder du dich keiner dieser Kategorien zuordnen möchtest: Du bist gut so, wie du bist. Jede Charaktereigenschaft hat ihre Berechtigung, jede Persönlichkeit ihre Stärken und Schwächen. Verabschiede dich vom Schubladendenken und mache dir die Vielfältigkeit deiner Mitmenschen bewusst!

Welcher Kategorie würdest du dich zuordnen? Bist du introvertiert, extrovertiert oder ambivertiert? Lass es uns wissen unter dem Hashtag #Soulcarespecial oder schreibe selbst einen Blogbeitrag zu diesem Thema – und vergiss nicht, auch bei Kisudoesstuff vorbeizuschauen! 

Sonntag, 22. Oktober 2017

"Herbstliebe" und andere ‒ Gedichte im Herbst

Unaufhaltsam ist Herbst geworden. Wie immer bedeutet eine neue Jahreszeit bei Blitzlichtglitzer auch einen neuen Blogpost mit saisonalen Gedichten. Der Herbst ist offenbar nicht meine geistreichste Zeit, was Poesie betrifft, denn ich konnte nur wenige Werke finden, die ich tatsächlich im Herbst verfasst habe. Deshalb gibt es zuerst ein ganz aktuelles ‒ von heute! ‒, danach ein ganz altes und zum Schluss eines, das, nunja, nicht ganz im Herbst entstanden ist. Viel Spaß beim Lesen! 😉

Lucia im Porträt verschmitzt lächelnd
herbstverliebt | Foto: hml-art


Herbstliebe


Ein müdes Blatt stürzt sich vom Baum
Und flattert lose durch den Raum,
Fällt hinab zur braunen Erde,
Auf dass es eins mit ihr werde.

Unterm Baum, da stehen du und ich.
Du fängst das Blatt. Für mich.
Ich hab dir eine Kastanie geschenkt.
Du hast sie in deiner Jackentasche versenkt.

Wir gehen still und Hand in Hand –
Mal guckt einer blöd, mal starrt er unverwandt.
Vorhin hast du mir einen Kuss gegeben.
Deine rotblonde Haarsträhne blieb an meinen Lippen kleben.

Jetzt sehe ich dich an.
Du grinst dann...

Noch sind nicht alle Blätter unten.
Vor allem nicht die schönen bunten.
Fangen wir sie alle auf!
Bauen einen Laubhaufen und schlafen drauf,
Bis dann der Frühling ganz sacht
Mit uns beiden zusammen erwacht.

(22. Oktober 2017)


Rabentod


Hoch oben am Himmel
Flog durch das Gewimmel
Von Wolken ein Rabe,
Auf dass er sich labe
An südlicher Luft
Und atme den süßlichen Duft,
Den die Blüten versprühten,
Des Abends, als noch alle sich mühten,
Zu verdienen ihr tägliches Brot.

Plötzlich traf ihn eine Ladung Schrot.
So starb nun im Abendrot
Der Rabe seinen Rabentod.

(26. Oktober 2008)



Leben


Das Leben, es geht weiter.
Immer und immer.
Gnadenlos.
Zu Ende.

(03. April 2015)

Ein See, der die Abendsonne spiegelt.
Rabentod im Abendrot


Ich hoffe, dir sind beim Lesen ein paar schöne Herbstbilder und -erinnerungen durch den Kopf gegangen. Was liebst du am Herbst? Schreib es mir doch in die Kommentare! 💖



Samstag, 7. Oktober 2017

Von Pendlerstress und Stürmen

Angefangene Blogposts sammeln sich in meiner Entwurfsliste. Warum sie nicht fertig werden? Tja. Manchmal schreibe ich im Zug ein paar Zeilen. Dann stelle ich fest, dass das Thema zu komplex ist, um damit so bald wie möglich fertig zu werden. Oder mir gefällt der Entwurf gar nicht mehr, an dem ich gerade arbeite, weil das Thema zwar leichtgängig ist, aber mich selbst nicht richtig überzeugt. Gute Blogposts brauchen Zeit. Und Zeit, die fehlt mir momentan. Ihr wisst ja, ich habe meinen Job gekündigt, fange gerade an, meinen Master in Brandenburg zu studieren, und arbeite währenddessen noch in Berlin.

Hohes Gras vor bewölktem Himmel
Ein Sturm kommt auf...

Mit dem Sturm raus aus der Komfortzone

Da ist mein Pendlerleben gerade mal zwei Wochen alt und es kommt dieser schlimme Sturm auf, der mich mehr als 24 Stunden in der kleinen Stadt Brandenburg festsitzen lässt. Ich fahre am Donnerstag Abend kurz mit der Straßenbahn zum Bahnhof, um nachzusehen, ob vielleicht doch noch ein Zug nach Berlin, nach Hause fährt. Ich spreche ein fremdes Paar an, was ich sonst nie tun würde, und erfahre, dass der anwesende Zug dort schon seit nachmittags um vier herumsteht. Seltsam, wie sich die sozialen Interaktionen in einer Krisensituation verändern. Ich rufe also meine Kommilitonin an, die mir extra für diesen Fall ihre Nummer gegeben hat, und frage, ob ich bei ihr in der WG übernachten kann. Es bleibt keine Zeit zu zögern; schließlich habe ich gerade keine andere Möglichkeit, als dieses freundliche Angebot anzunehmen. Gerne, sagt sie und fragt mich, was ich essen will.

Ich verbringe den Donnerstagabend also mit zwei Frauen, die ich erst seit einer Woche kenne, während andere Menschen in Zügen übernachten oder von Bäumen erschlagen werden. Wir kochen und essen, unterhalten uns über das bevorstehende Studium und unsere bisherigen Leben. Beim ersten Kennenlernen gewann ich noch den Eindruck, die beiden müssten zu denen gehören, die in der Schule der Kategorie der "Coolen" zugeordnet worden wären ‒ also weit, weit über mir stehen. Aber wir sind nicht mehr in der Schule. Ich berichtige das "Wo wohnt dein Freund?" in "Freundin" und niemand wundert sich. Eine seltene Überraschung, mein bisheriges Leben betrachtend. Eine Tasse wird zum Kontaktlinsenbehälter umfunktioniert, ich bekomme nach Waschmittel duftende Klamotten und muss ohne Zähneputzen ins Bett.

Der Tag nach dem Sturm

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, um bei der Arbeit anzurufen. Bis zum Mittag soll die Bahnstrecke noch gesperrt sein. Statt (viel) später mit der Arbeit anzufangen, entschließe ich mich dazu, einen Urlaubstag zu vergeuden, denn ich brauche das Geld. Gut so: Je weiter der Tag fortschreitet, desto weiter rückt auch der Zeitpunkt in die Ferne, an dem die Züge voraussichtlich wieder fahren sollen. Den Großteil des Tages verbringe ich damit, nach einer Möglichkeit zu suchen, die mich nach Hause bringen kann. Irgendwann wird es mir zu langweilig, mit anderen Gestrandeten in der Bibliothek zu hocken. Draußen scheint jetzt wieder die Sonne. Absperrband flattert rund um die lädierten Bäume auf dem Campus. Ich spaziere durch die Stadt, kaufe mir im Supermarkt etwas zu essen und stelle fest, dass es verschimmelt ist. Es fängt an, große, platschende Tropfen zu regnen. Der Zug von gestern steht immer noch am Bahnhof, doch Rettung naht. Wahrscheinlich säße ich heute immer noch in Brandenburg, wäre nicht jemand extra mit dem Auto von Berlin gekommen, um mich abzuholen.

Ich war gar nicht so weit entfernt von zu Hause wie viele andere ‒ und doch kam ich nicht vom Fleck. Ich war ohne Zahnbürste und ohne WLAN gestrandet; naja, es gibt Schlimmeres. Aber es zeigt, wie wichtig und bereichernd Mobilität und (Online)-Kommunikation sind. Ohne letztere hätte mir gestern womöglich auch noch der Schlafplatz gefehlt. Obwohl der Freitag für mich ein eher leerer Tag gewesen ist, war die Erfahrung lehrreich. Genauso wie kein Geld zu haben mir beigebracht hat, mit Geld umzugehen!

Während die Züge still stehen und Menschen einander helfen, geht es auf Twitter rund. Das Nachwehen, sozusagen. Sieben Tote, denke ich, das hört man so oft, dass es gar nicht wirklich ankommt. Aber das Twitter-Profil einer plötzlich toten Person, die vor zwei Tagen noch gezwitschert hat, anzusehen, ist schon unheimlich. Mitten im Leben einfach so vom Tod aus dem Alltag gerissen zu werden, gruselige Vorstellung. Mein Verhältnis zum Sterben scheint nicht das gesündeste zu sein, aber bei wem ist das schon anders? Ich sollte einen Blogpost über den Tod schreiben...

Regebogen über einer regennassen Straße nach Gewitter
Nach dem Sturm gibt's immerhin einen Regenbogen.

Ich stürme ins Pendlerleben

So startet also mein neuer Lebensabschnitt ‒ stürmisch. Und jetzt bin ich froh, mein Wochenende zu Hause ohne Blogpost-Ideendruck verbringen zu können. Denn wenn ich mal was erlebe, schreibt sich der passende Artikel wie von selbst. Wenn hier also nichts neues zu lesen ist, erlebe ich entweder nichts oder ich bin gerade mitten drin im Erlebnis. Den ein oder anderen Entwurf habe ich aber noch in petto, der Post über den Tod kommt bestimmt und für nächstes Wochenende habe ich mir schon die nächste Herausforderung vorgenommen. Bald kommen wieder "Gedichte im Herbst" und ein neuer Teil von Ich und die Medien. Also dran bleiben und auf der Blitzlichtglitzer-Facebookseite immer als erstes informiert werden, wenn es neues Lesefutter gibt!

Ich hoffe, ihr alle habt das stürmische Wetter gut überstanden und genießt ein wunderbares Wochenende! 💖💖💖

Freitag, 8. September 2017

Ich habe gekündigt! – Ich und die Medien #4

Ja, du liest richtig! Vor ein paar Monaten habe ich noch aufgeregt von der Zusage für meinen ersten richtigen Job berichtet – jetzt habe ich gekündigt. Warum und wie es jetzt weitergeht, erfährst du in Teil 4 meiner Reihe Ich und die Medien.

Laptop mit geöffneter Blitzlichtglitzer-Seite, Handy, rosa Notizbuch und rosa Kaffeetasse mit weißen Punkten stehen auf Holzdielenboden
Das Equipment wächst. Habe ich jetzt mehr Zeit zum Bloggen?

Was bisher geschah...

Ich habe also gekündigt. Warum? War der Job scheiße? – Nein. War er mein Traumjob? – Auch nicht. Aber das habe ich von meiner ersten Arbeitsstelle nach dem Studium auch nicht erwartet. Vielmehr war meine Stelle als Online-Redakteurin bei einer Marketing-Agentur ziemlich genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Während meines Bachelor-Studiums arbeitete ich ja bereits zwei Jahre als freie Texterin für eine andere Agentur. Ich war also gut vorbereitet auf meine Aufgabe: Texte schreiben zu vielen unterschiedlichen Themen – nur eben im Korsett einer 40-Stunden-Woche im Großraumbüro. Ich kann prinzipiell zu jedem Thema und jeder Zeit irgendwas schreiben. Letztlich ist das, was so große Agenturen machen, aber Fließband-Texten – manchmal schreibst du 30 Texte zum selben Thema, von dem du oft nicht den blassesten Schimmer hast; einen nach dem anderen, acht Stunden am Stück. Das geht natürlich auf Kosten der Qualität. Und mir persönlich ist das, obwohl ich es mitunter gerne mache, auf Dauer zu eintönig. Eine so kreative Tätigkeit wie das Verfassen von (nicht nur für Google) lesenswerten Texten lässt sich eben schwer in die Struktur eines herkömmlichen Arbeitstages sperren.

Auch das war mir bewusst, als ich den Job angenommen habe. Schließlich sollte er ja auch eine erste, keine Endstation sein. Mir war von Vornherein klar, dass das Thema Ausbildung für mich mit dem Bachelor noch nicht abgeschlossen war. Auf einige Volontariate hatte ich mich mit ausbleibendem Erfolg beworben, ein Master-Studium aus finanziellen Gründen ausgeschlossen. Und ewig Zeit hatte ich mit meiner Ebbe im Geldbeutel auch nicht, zu warten, bis mir etwas perfekt Passendes über den Weg laufen würde. Das wäre auch recht hochmütig gewesen. Mein Vertrag war ohnehin auf ein Jahr befristet, sodass ich beschloss, dieses Jahr zu nutzen, um Geld zu verdienen, Arbeitserfahrung zu sammeln und in Ruhe zu überlegen, wo es als nächstes hingehen sollte.

Soll ich wirklich kündigen?

Ein ganzes Jahr habe ich mir nun nicht Zeit gelassen. Und um das Geheimnis endlich zu lüften: Ich habe mich doch für einen Master entschieden – im Fach Digitale Medien. Das wäre so nicht möglich, hätte ich nicht vor gut einem halben Jahr diesen Job als Online-Redakteurin angenommen. Ich werde nämlich weiter in der Firma arbeiten, nur eben als Werkstudentin mit 20 Wochenstunden. So muss ich mir weder etwas neues suchen, noch um mein finanzielles Überleben während des Studiums bangen.

Das klingt alles nach einer durchdachten Entscheidung, jetzt, da sie getroffen ist. Leicht habe ich es mir allerdings nicht gemacht. Schließlich heißt es in so ziemlich allen Ratgebern: Mindestens drei Jahre sollten Sie es in einem Job, den Sie nicht mögen, schon aushalten. Auch wenn meine Arbeit nicht schrecklich war: Drei Jahre?! Das ist doch wahnsinnig viel Zeitverschwendung! Klar, den Job zu wechseln oder eben, wie in meinem Fall, etwas ganz anderes zu machen, ist ein Privileg und nicht jede*r hat die Möglichkeit. Und ich weiß auch, dass es dabei um die drei Jahre Arbeitserfahrung geht, die du am besten schon vor deinem ersten Job gesammelt haben sollst. Aber wenn da eine neue Chance winkt, dann ist die Angst, sich auf diese Weise den Lebenslauf zu versauen, das wohl schlechteste Argument, stattdessen drei Jahre Stillstand zu akzeptieren, oder? Doch genau diese Angst wuchs in mir, je näher der Tag der Entscheidung rückte.

Zettel mit den handgeschriebenen Worten "Freiheit", "Wahrheit", "Herausforderung" liegt auf Laptop-Tastatur.
Neue Ziele für meine berufliche Zukunft!

Die Entscheidung – ein schwieriger Prozess

Ich hatte einige Bewerbungen rausgeschickt. Einfach so, um zu sehen, ob ich überhaupt eine Zusage bekäme. Darüber nachdenken könnte ich ja dann immer noch, dachte ich – so schob ich die Verantwortung für die Entscheidung erst einmal von mir weg. Ich hatte die Rechnung allerdings ohne zulassungsfreie Studiengänge gemacht. Zwischen Absagen, Abwarten und Verwerfungen fand ich so einen, der mir zusagte, auch wenn sich die Hochschule im entfernten Brandenburg befinden sollte. Na gut, dachte ich, den lasse ich mir mal als Hintertürchen offen – ich brauchte mich schließlich nur einzuschreiben und das ginge auch noch kurz vor Semesterbeginn.

Ihr müsst wissen, dass ich im Bachelor mit "lausigen" 2,1 abgeschnitten habe. Das bedeutet, es an den staatlichen Unis in Berlin in einen zulassungsbeschränkten Master-Studiengang mit Medienbezug zu schaffen, ist ziemlich utopisch. Ich habe es natürlich trotzdem versucht. Die Antworten ließen allerdings ewig auf sich warten, sodass ich langsam in Panik geriet: Ich wusste, ich wollte im Wintersemester meinen Master beginnen; das fühlte sich einfach richtig an. Aber was, wenn das gar nicht klappen würde? Sollte ich dann Brandenburg nehmen? Den "Arsch der Welt"? Täglich pendeln?! Ich schaute mir den Studiengang noch einmal genauer an – und gewann echtes Interesse an meinem Notnagel! Nur an der Kompatibilität meiner technischen Fähigkeiten mit den Fächern zweifelte ich noch. Es würde eben eine Herausforderung werden. Endlich einmal wieder eine richtige, risikoreiche Herausforderung! – Schon schwappte mir die nächste Panik-Welle über den Kopf: Was, wenn ich nun doch in Berlin angenommen werden würde, nachdem ich mich so gut mit Brandenburg angefreundet hatte?

Irgendwann musste ich mich dann wirklich entscheiden. Ich hatte mir den letzten möglichen Kündigungstag errechnet. Meine Kündigung lag ausgedruckt auf meinem Schreibtisch. Die Kündigungswoche begann. Keine Benachrichtigung von Berlin. Ich stellte also die Unterlagen für Brandenburg zusammen. Zur allergrößten Not könnte ich mich immer noch umimmatrikulieren lassen, auch wenn ich dann den Semesterbeitrag nicht zurückbekommen würde. Eigentlich war die Entscheidung schon längst gefallen. Aber wie das so ist, schiebt sich kurz vor der Umsetzung immer noch einmal die rosa Brille ins Blickfeld und du fragst dich: Bin ich wirklich gerade im Begriff, sämtliche Sicherheiten aufzugeben und mich auf völlig unbekanntes Terrain zu begeben? Schließlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob es mit der Werkstudententätigkeit klappen würde, Bafög-Anspruch habe ich keinen und familiären Rückhalt erst recht nicht. Ja, antwortete ich mir selbst, und machte mich auf den Weg zur Chefin.

Ich schüttele meine rosa Haare durch die Gegend.
Ein bisschen verrückt ist das alles schon... | Foto: hml-art

Und jetzt...?

Meine Kündigung wurde gut und verständnisvoll aufgenommen. Ich denke, man war ziemlich zufrieden mit meinen Leistungen; ich habe immer gutes Feedback bekommen und darf als Werkstudentin weiter dort arbeiten. In den letzten Monaten habe ich jedenfalls sehr an Vertrauen in meine Fähigkeiten gewonnen und meinen Schreibwerkzeugkasten erweitert. Mit der Entscheidung für das Master-Studium bin ich bisher sehr glücklich, auch wenn die Vorlesungen noch gar nicht angefangen haben. Aber ich spüre die Erleichterung nach diesem wochenlangen Entscheidungsprozess und ich freue mich auf all die neuen Sachen, die ich jetzt machen darf. Vielleicht werde ich sie nicht so gut können, vielleicht ergeben sich aber auch völlig neue Möglichkeiten und zum Lernen bin ich ja da. Das nervt mich sowieso, dass du am besten alles schon können sollst, um überhaupt eine Chance auf die Ausbildungsmöglichkeiten zu haben. (Für Berlin habe ich übrigens eine Absage bekommen, die Rückmeldung für einen weiteren Studiengang steht noch aus.)

Wenn ich mich jetzt frage, ob ich eigentlich bekloppt bin, mich in ein so eisiges Wasser zu werfen, denke ich: Ja, aber das passt sehr gut zu meinem Lebenslauf (dem "echten") und jede vernünftigere Entscheidung hätte vermutlich nicht meinem Wesen entsprochen. Jetzt im September finden an der Uni erst einmal nur Einführungsveranstaltungen statt und ich arbeite schon seit einer Woche die 20 Stunden. Das heißt, ich habe jetzt etwas mehr Zeit zum Bloggen (für diesen Post hier habe ich aber auch viel länger gebraucht als sonst), denn das Sommerloch ist jetzt auch endlich vorbei. Ich werde euch auf meinem Weg in den Medienberuf, der jetzt auch wieder ein Weg ist, weiterhin gerne mitnehmen und aus meinem Leben mit Studium und Job und Blog berichten.

Langfristig sind Marketingtexte im vorteilsbetonenden Werbesprech nicht das einzige, was ich mein Leben lang schreiben möchte. Vielmehr interessiere ich mich für die Wahrheit. Ich möchte das, was tatsächlich um mich herum (und auch weiter weg) passiert, zu Worten verarbeiten und sie durchs Internet jagen oder auch in ein Buch drucken lassen oder sie aussprechen. Um Botschaften zu vermitteln, brauche ich jedenfalls Medien sowie die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen. Und da die Zukunft der Medien digital ist, glaube ich, einen passenden Studiengang für meine Ziele ausgewählt zu haben.

Ganz schön viel Veränderung also bei mir – wie ist das bei dir? Lässt du dich auch gerade auf etwas Neues ein oder fährst du ganz gut mit dem, was du gerade tust? Und wie sieht es bei dir mit dem Entscheiden aus? Lass es mich wissen im Kommentarbereich! 💖

Sonntag, 6. August 2017

Wie das Internet mich frei machte

Neulich las ich das schon zehn Jahre alte Buch "Das Glück der Unerreichbarkeit. Wege aus der Kommunikationsfalle" von Miriam Meckel (erschienen: 2007 im Murmann Verlag). Damals waren Smartphones etwas ganz Neues, WhatsApp gab es noch nicht und an die Influencer auf Instagram war noch nicht zu denken. Es war spannend, von dieser Zeit zu lesen, in der es neu war, E-Mails auf dem BlackBerry zu empfangen, die Leute noch SMS schrieben und man zum Teil finstere Zukunftsprognosen für die heutige Gegenwart stellte. In dem Buch geht es um die Anforderungen, die die neuen, sich rasant entwickelnden Kommunikationsmöglichkeiten an die Menschen und die Gesellschaft stellen, und wie sie damit umgehen. Vieles davon ist noch heute aktuell. Ist ja auch noch gar nicht lange her, aber wer die Technologien von "damals" und heute vergleicht, dem kommt das wie eine Ewigkeit vor.

altes Handy, Sony-Erricson-Mobiltelefon von 2008
Mein erstes Handy: seit neun Jahren unkaputtbar


Internet gestern

Als das Buch erschien, war ich 13 Jahre alt. Ich erinnere mich daran, dass ich 2008 zum ersten Mal das Internet benutzen durfte – im Kinderzimmer meiner Schwester stand ein Windows 95. Meine erste Station im WWW war SchülerVZ. Wir hatten die Erlaubnis erhalten, uns dort anzumelden und mit unseren Freund*innen zu vernetzen. Von der riesigen Welt hinter dem Bildschirm, die unser Leben heute nachhaltig beeinflusst, ahnte ich damals noch nichts. Mit 15 knackte ich die Passwörter meines Vaters auf meinem Laptop, den mir meine Eltern geschenkt hatten, als sie mich aufs Internat schickten. Er hatte damit festgelegt, welche Internetseiten ich besuchen durfte, und außerdem eingestellt, dass sich der Laptop um 21 Uhr automatisch abschaltete. Als nächstes fand ich heraus, wie ich mir eine eigene E-Mail-Adresse erstellen konnte. Die Mails an meine Adresse des "Familien-Servers" kamen nämlich auch auf dem Rechner meines Vaters an und er konnte alles mitlesen.

Nun war ich frei, mitten im Käfig meiner Minderjährigkeit, in dem ich die Schulwochen herbeisehnte und die Wochenenden fürchtete. Nächtelang suchtete ich auf YouTube die Story des GZSZ-Paares "Paula & Franzi" – die erste Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, die mir in meinem Leben begegnet ist. Ich meldete mich bei einem Forum an, in dem ich darüber schreiben konnte, wie sich die Lage zuspitzte, als die Schule meine Eltern darüber informierte, dass ich in Liebesdingen möglicherweise anders orientiert sein könnte... Lange hielt ich es dort aber nicht aus, denn ich fühlte mich dabei immer, als würde ich etwas Schreckliches, Verbotenes tun, und konnte mich darüber schwer verbal ausdrücken. Dennoch war das Internet von nun an immer an meiner Seite, wenn ich mich ans Hinterfragen der einseitigen, engstirnigen Ansichten meiner Familie machte. Es war eine unerschöpfliche Informationsquelle, die mich neben Büchern lehrte, immer mehr wissen zu wollen und Aussagen zu prüfen, bevor ich sie einfach glaubte.

Internet heute

Das Internet hatte immer schon Kritiker*innen. Heute lesen wir besonders häufig von "Hass im Netz", über das Internet verbreitete "Fake News"oder das "Postfaktische Zeitalter", ein Begriff, der mit dem Medium Internet eng verwoben scheint. Darüber können und müssen wir auch sprechen, uns mit den dahinterstehenden Themen beschäftigen und Lösungen finden. Das Internet als Ganzes sollten wir aber nicht verteufeln. So wie Pauschalisierungen generell unangebracht sind. Für mich persönlich hat das Internet heute wie als Teenagerin eine große Bedeutung. Zum einen ist es natürlich mein Beruf als Online-Redakteurin. Das Internet bietet mir die Möglichkeit, mein Schreiben vom Notizbuch in die Welt zu tragen. Aber es ist noch viel mehr: Das Internet hat mir die Menschen gebracht. Es ist schließlich ein Kommunikationsmedium. Durch Foren, Social Media und natürlich das Bloggen, das ich seit 2013 betreibe, sind viele schöne Verbindungen entstanden, die ich nicht missen möchte. Natürlich lerne ich auch außerhalb der "virtuellen Welt" Menschen kennen. Aber wie unvollständig mein Leben ohne jene Welt wäre, zeigen mir einige meiner wichtigsten Bezugspersonen, die ich ohne das Internet niemals kennengelernt hätte.

Nicht alle online entstandenen Bekanntschaften überstehen den Schritt in die "reale" Welt; auch davon spricht das oben genannte Buch. Meiner eigenen Erfahrung nach tun es viele aber doch und ich habe schon einige "Fremde aus dem Internet" persönlich kennengelernt, die mir ja eigentlich schon längst nicht mehr fremd waren. Das Internet bietet eine ganz andere Art, sich kennenzulernen, die vor allem jenen entgegenkommt, die sich schwer damit tun, Kontakte von Angesicht zu Angesicht zu knüpfen. Vor allem die Begegnungen durch das Bloggen finde ich interessant. Die Welt, in der ich mich mit meinem ersten Blog bewegte, bestand aus Menschen, die sehr offen mit sich und ihren Lebensgeschichten umgingen – dafür blieben die Autor*innen allerdings anonym. Trotzdem lernte ich sie durch ihre Texte besser kennen, als manche Person aus ihrem realen Umfeld. Viele nutzen das Internet und seine Anonymität, um ihren intimsten Gedanken und belastenden Geheimnissen einen Raum zu geben. Und sie finden dort nicht nur Raum, sondern auch Gehör. Sie führen öffentlich (und zugleich heimlich) Tagebuch. So habe ich das anfangs auch gemacht, um mit meinem schwierigen Elternhaus, das mich vielfach von anderen isolierte, fertig zu werden. Es ist ein großes Privileg, den Tagebucheintrag eines anderen Menschen lesen zu dürfen, vor allem, wenn man sich nie zuvor gesehen hat. Eine noch größere Ehre ist es, wenn dieser Mensch Dir erst seine E-Mail-Adresse, dann die Telefonnummer und schließlich sein Gesicht anvertraut. Menschen, die mich noch nie getroffen hatten, setzten sich in den Zug, um mich zu besuchen, und ich tat es umgekehrt genauso. Es ist immer wieder etwas Besonderes, einen Menschen auf diese Weise kennenzulernen.

Lucia Clara, Porträt, lächelnd
Mich macht das Internet frei | Foto: hml-art

Internet & Glück

Im Internet gibt es Hass, Streit und Lügen. Ja, das ist richtig. Das Internet bringt Unglück? Nein. Nicht nur. Und auch nicht hauptsächlich. Das Internet ist keine virtuelle Welt, es ist ein Teil der realen Welt in einem virtuellen Raum. Deshalb finden wir in ihm ebensolche Strukturen vor, wie in realen Räumen; es spiegelt die Vielfalt der Menschen und der Gesellschaften wider. Das Internet ist ein Tor zu mehr Informationen, als ein Mensch verarbeiten kann. Es ist Verknüpfungspunkt zwischen Menschen aus aller Welt. Es kann ebenso Freundschaften wie Feindschaften entstehen lassen. Das Internet kann abhängig machen. Mich hat es frei gemacht. Es bot mir die Möglichkeit, an Informationen zu gelangen und Kontakte zu knüpfen. Ohne das Internet hätte ich sicher einen anderen Weg gefunden, mit meinem Leben umzugehen. Aber es ist nun einmal da, und das einzige, was wir tun können, ist, sinnvoll damit umzugehen.

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Liebe Leser*innen, ich wünsche mir, dass nun jede*r von euch eine positive Erfahrung in die Kommentare schreibt, die er*sie im Internet gemacht hat!
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P.S.: Ich kann nur jedem empfehlen, einmal einen Menschen aus dem Internet persönlich zu treffen. Eine solche Begegnung kann Dein Herz sogar ziemlich doll bewegen. Dann flattert es herum und will sich gar nicht mehr einfangen lassen – und dann stell Dir mal vor, Du hättest diese Person niemals kennengelernt!

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