Dienstag, 20. Juni 2017

Ungeschminkt durch den Tag

Obwohl ich meistens geschminkt bin, habe ich eigentlich kein Problem damit, ohne Make-up auf die Straße zu gehen. Eigentlich – hat das was zu bedeuten? Eigentlich, das hat mir eine schlaue Frau mal beigebracht, ist immer so ein Indiz... Ja, meinen Wochenendeinkauf oder Sonntagsspaziergänge erledige ich ungeschminkt. Aber oft male ich mein Gesicht auch an, weil ich es möchte. Wie, glauben die Leute, sollte ich hinter einer Schicht Make-up meine dunkelsten Geheimnisse verstecken? Dazu braucht es schon einiges mehr. Also gehe ich an einem Montag ungeschminkt zur Arbeit. Nun, zuerst hatte ich grünen Concealer im Gesicht, um Rötungen zu kaschieren, aber den habe ich wieder abgewischt. Nein, so leicht lasse ich mich nicht von mir selbst hinter's Licht führen!

Ich fühle mich nicht unwohler als sonst, auch wenn ein paar irritierte Blicke etwas zu lange mein Gesicht belästigen. Vielmehr frage ich mich, ob jetzt alle denken, ich hätte die ganze Nacht Party gemacht (dabei war ich noch halbwegs rechtzeitig im Bett). Nur beim Blick in den Spiegel erschrecke ich mich, weil ich einfach nicht aussehe, wie ich selbst. Denn das ist die Spachtelmasse in meinem Gesicht für mich: Ein lang erarbeiteter, erster Schritt, nach außen hin ich selbst zu sein.

Lucia Clara mit Fliegennetz auf dem Kopf
Sowas hätt' ich gern als Hut – ungeschminkt verrückt. | Foto: HML-ART


Ungeschminkt – das ist nicht unbedingt die Abwesenheit von Make-up in einem Gesicht. Ungeschminkt ist aus der Rolle fallen. Ungeschminkt ist echt, und das bin ich samt Glitzer und Lippenstift. Ungeschminkte Seelen. Sehen wir die nicht viel seltener als ungeschminkte Gesichter? Wer pimpt sein wahres Ich nicht mit einem falschen Lächeln auf? Einem falschen Lächeln fürs Familienfoto? Gerade Fotos können viel mehr Selbst zeigen. Sie halten den Moment fest zum Immer-wieder-anschauen, viel länger, als er zum Zeitpunkt seines eigentlichen Geschehens war. Das bietet Interpretationsspielraum. Je länger Du hinsiehst, umso mehr Schichten Schminke trägst Du ab – aber vielleicht fügst Du auch weitere hinzu, weil Du Dich zu sehr auf das Äußere konzentrierst...

Sich ungeschminkt nackt zu fühlen ist das eine. Doch wie oft fühlst Du Dich nackt und ungeschminkt, obwohl Du Kleidung und Make-up trägst? Ob nun die Blicke anderer Menschen oder das Auge einer Kamera auf ihr ruhen – beobachtet fühlt sich die Seele, wenn sie schminkschichtdurchdringend angesehen wird. Ich fordere sie stets heraus, wenn ich das Haus verlasse oder meine Gedanken im Internet verbreite; wenn ich mich in Umgebungen begebe, in die mein Mainstream-Rollen-Spiel nicht passt.

Hier bin ich und leuchte. Hier stehe ich im Blitzlichtglitzer-Kitschregen und zeige euch – mich. 

Lucia Clara schaut mit einem Auge aus ihrem Haarschleier heraus.
Raus aus dem Versteck, ungeschminkte Seele! | Foto: HML-ART

Wie bist Du ungeschminkt?
💖

Sonntag, 11. Juni 2017

Mein Geburtstag, Nina Hagen & Mini-Krise

Kaum bin ich 23 Jahre alt, rotiert die Welt ungleich schneller. An den letzten zwei Wochenenden sowie in der Woche dazwischen ist so viel passiert, dass ich gar nicht dazu kam, es für euch aufzuschreiben. Ja, auch diese Zeilen schreibe ich gerade in meinem Notizbuch vor, während ich im Zug sitze. Dagegen war mein eigentlicher Geburtstag doch wenig spektakulär, deshalb aber nicht weniger schön. In meiner Instastory konntet ihr meine verrücke Kuchen-Back-Aktion live mitverfolgen und ich kann nur sagen: Allen hat's hervorragend geschmeckt. Und nach einem Arbeitstag an hübsch dekoriertem Platz durfte ich noch einen entspannten Abend mit lieben Menschen genießen.

Lucia Clara beim Nina-Hagen-Konzert
Wichtige, wahnsinnig und wunderbare Augenblicke müssen festgehalten werden.

Ein langersehntes Highlight war dann das Nina-Hagen-Konzert am darauffolgenden Wochenende. Es war der wohl letzte ihrer Brecht-Lieder-Abende im Berliner Ensemble – und mein dritter. Letztes Jahr erst habe ich mich eingehender mit dieser Person beschäftigt, nachdem es immer mal wieder zu optischen Vergleichen kam. Und das war auch das einzige, was mich an diesem Abend störte: Ältere Leute, die auf mich zukamen und meinten, da hätte ich Nina schon ganz gut getroffen – als hätte ich mich für den Abend verkleidet. Bunte Haare und präsente Eyeliner sind ja nun momentan wirklich nichts Besonderes. Außerdem, meine lieben Menschen, bin ich ich, Lucia Clara, niemand anderes und auch keine billige Kopie; darauf bestehe ich.

Plakat Nina-Hagen-Konzert
Zum dritten und leider wohl letzten Mal war ich dabei.
Zusammen mit meiner lieben Freundin Kiwi hatte ich einen Abend, an dem ich mich sehr gut fühlte und das Leben liebte, mindestens für zweieinhalb Stunden lang. Am Sonntag ging es dann wieder ans Kuchen backen – diesmal nicht allein und außerdem für einen guten Zweck. Begleitet von erhellenden Gesprächen war dieser lange Tag wohl einer von diesen, die das Leben verändern. Ich möchte darüber noch nicht so detailliert schreiben, weil ich mich noch mitten drin in diesem Veränderungsprozess befinde. Sobald ich aber selbst herausgefunden habe, was genau jetzt neu ist, lasse ich es euch definitiv hier wissen. Und wer ganz neugierig ist, kann mal auf Instagram vorbei schauen, dort gebe ich hin und wieder bebilderte Statements dazu ab, an welchem Punkt meiner kleinen "Selbstfindungskrise" ich mich gerade befinde.

Fenster des Berliner Ensambles
Tschüss, BE; wir sehen uns wieder!
Jäh aus meinen Gedanken gerissen wurde ich dann aber, als jemand meinen Geldbeutel stahl und ich mich mit all dem bürokratischen Kram konfrontiert sah, der damit einherging. Da holt einen die Realität doch ganz schnell wieder ein und ich hatte eine anstrengende kurze Woche. Aber jeder noch so fiesen Woche folgt ein Ende und neben der neuen Staffel von Orange Is The New Black blieb zumindest ein bisschen Zeit für Gedanken, Gespräche und Spaziergänge. Ich bin sehr froh über die Menschen, die mich zur Zeit umgeben. Es mögen nicht mehr so viele sein, wie früher, aber dafür fühlen sie sich richtig an. Ich bin gerade selbst gespannt auf das Leben und vielleicht seid ihr es mit mir! ♥
Verschwimmende Lichter
Wenn alles durcheinander wirbelt...

Kennst Du lebensverändernde Momente, in denen Du alles in Frage stellst und Dich mal so richtig mit Dir selbst beschäftigst? Teile Deine Erfahrungen doch mit uns!  💖

Sonntag, 28. Mai 2017

23 Jahre – Bin ich jetzt erwachsen?

Ich werde 23 Jahre alt und frage mich: Bin ich jetzt erwachsen – also, so richtig?

Zwischen meinem 18. Geburtstag, dem eigentlich markanten Punkt des Erwachsenwerdens, und Heute liegen fünf Jahre. Unglaublich, wie viel gerade in letzter Zeit passiert ist. Während ich 2013 noch völlig planlos mit zwei Koffern und ohne Rückhalt nach Berlin stolperte, sieht es inzwischen so aus, als hätte ich mein Leben ganz gut im Griff: Ich habe ein abgeschlossenes Studium in der Tasche, einen Job, der meinen Lebensunterhalt finanziert, und ein Dach über dem Kopf. Was will man mehr?


Lucia Clara beim Kaffee trinken, © Katrin Eissing
Nachdenken übers Erwachsensein | Foto: Katrin Eissing


Vielleicht nervt es euch auch, dass ich ständig davon spreche. Aber ich muss mir wirklich immer mal wieder bewusst machen, dass mein Leben und ich zusammengehören. Denn manchmal fühlt es sich an, als würde das Leben ohne mich davonrennen; ich schaue der Zeit hinterher und bin eigentlich noch gar nicht bereit, loszulaufen. Vielleicht kennt ihr das – zumindest habe ich schon häufiger Menschen in meinem Alter darüber reden gehört, dass sie sich noch gar nicht so erwachsen fühlen, wie sie es ihrer Meinung nach sein müssten. Was bedeutet denn Erwachsensein? Vernünftig sein, spießige Sachen machen und sich langweilen? Dann ist bei mir irgendwas schief gelaufen. Alte Schulfreundinnen pflegten mir zu sagen, ich sei früher immer die Vernünftige gewesen und "schau, was jetzt aus Dir geworden ist" – ein bunt gefärbter Schmetterling, der im Dunkeln glitzert. Ehrlich gesagt bin ich nicht mehr mit Menschen befreundet, die sich meine kindliche Vernunft zurück wünschen. Denn eigentlich war ich nicht vernünftig, sondern bloß sehr verunsichert und eingeschüchtert. Also habe ich nie etwas Verbotenes oder Verrücktes gemacht.

Erwachsen zu werden war für mich jahrelang ein großes Ziel. Schon mit 14 habe ich mir monate-, wochen- und stundengenau ausgerechnet, wie lange es noch dauert, bis ich 18 werde. Und einen Tag, nachdem dieses Ereignis endlich eingetroffen war, saß ich in meiner ersten eigenen Wohnung, konnte mir selbst Entschuldigungen für die Schule schreiben und war zumindest auf dem Papier unabhängig. Dass mit dieser Zahl aber nicht automatisch alles perfekt wird, kannst Du in meiner Artikelreihe Ich und die Medien nachlesen. So richtig frei bist Du eben erst, wenn Du komplett auf eigenen Füßen stehst und nicht auf finanzielle Unterstützung angewiesen bist (nur meine persönliche Sicht!). Und auch das ist eine eingeschränkte Freiheit, denn ich werde dazu wöchentlich zum Büro-Zombie und merke erst an einem freien Tag, dass da irgendwo ja auch noch Ich bin...

Lucia Clara als Baby
Lucia als Baby,
Lucia Clara 13 Jahre alt
mit 13,
















Lucia Clara 18 Jahre alt
mit 18,
Lucia Clara heute, 22 Jahre alt
und heute mit 22.


Wie erwachsen hast Du in Deinen 20ern zu sein? Der erste Fehler ist, sich mit anderen zu vergleichen. Ich selbst zum Beispiel weiß, dass viele Menschen, die in anderen familiären Verhältnissen aufgewachsen sind als ich, ihre Prioritäten ganz anders setzen. Da ist finanzielle Unabhängigkeit vielleicht nicht so essenziell. Und es bringt mir gar nichts, mich zu fragen, warum andere Menschen so viel erfolgreicher sind, mehr unternehmen und zufriedener scheinen als ich. Wir alle haben unterschiedliche Voraussetzungen und Wünsche. Und jede*r wird zum individuell richtigen Zeitpunkt den individuell richtigen Weg für sich finden. Schließlich ist das Leben noch lang und es bleibt jede Menge Zeit, erwachsen zu werden.

Wie ist es bei Dir? Kommen Dir meine Gedanken bekannt vor? Oder bist Du schon älter und hast diese verrückte Zeit bereits hinter Dir? Berichte uns doch in den Kommentaren aus Deiner Sicht von Deinen Erfahrungen mit dem Erwachsensein! 💖

Samstag, 20. Mai 2017

Ich und die Medien #3 – Geldsorgen im Studium

Während meiner Studienzeit hatte ich fast immer Geldsorgen. Wie ich damit umgegangen bin und wie es mir jetzt mit meinem ersten Job geht, der meinen gesamten Unterhalt finanziert, erfährst Du in Teil 3 meiner Reihe "Ich und die Medien".

Gelber Blumentopf voller Kleingeld
Wenn man jeden Cent umdrehen muss...


Geld ist nicht alles, sagt man. Und das stimmt zweifellos! Aber Geld ist auch nicht nichts. Denn wer es nicht hat, dem geht es schlecht. Und wer zu viel davon besitzt, verhält sich zuweilen seltsam. Irgendwie muss sich also jede*r von uns mit Geld arrangieren. Was wahnsinnig überheblich klingt. Ich bin nicht gerade in armen Verhältnissen aufgewachsen. Ich hatte alles, was ich brauchte, aber auch nicht wesentlich mehr. Ein durchschnittliches Leben, was das Finanzielle betrifft. Aber wie das so ist im Studium, reicht der mühsam eingetriebene Unterhalt trotz zusätzlicher Nebenjobs höchstens gerade so. Meine Wohnungsnot während der ersten anderthalb Jahre in Berlin brachte auch noch Schwierigkeiten. Ich musste oft umziehen – von einer Zwischenmiete zur nächsten – und meine Kautionen habe ich mehrmals nie wieder gesehen. Aber ich hatte auch nicht die Kraft, mich dagegen zu wehren und wenn Du keine Alternative hast, ziehst Du auch beim zwielichtigsten Vermieter ein.

Ich habe meine Studiengebühren über den Studienkredit finanziert, aber bevor es zu einer ersten Auszahlung kam, musste ich mich erst monatelang mit den Verantwortlichen rumärgern. Denn erst kamen die Unterlagen, die von der Bank an das Kreditinstitut geschickt werden mussten, niemals dort an und ich musste einen neuen Antrag stellen. Dieser wurde wegen eines Tippfehlers komplett und ohne einfach korrigieren zu können abgelehnt. Erst beim dritten Mal funktionierte es endlich. Und bis dahin rauschte mein Kontostand weit ins Minus und, ja, ich ernährte mich eine Zeit lang durch Flaschenpfand. Ich musste schwarz fahren, wurde mehrmals erwischt und konnte die Strafe nicht bezahlen. Irgendwann wurde sogar mein Konto gepfändet. Es ist übrigens überhaupt nicht einfach, aus so einer Situation wieder herauszukommen! Das alles verursacht ordentlich psychischen Stress und wohlgemerkt habe ich nebenbei noch studiert und gearbeitet. 

Als ich dann endlich die Zahlungen des Studienkredits erhielt, normalisierte sich langsam alles wieder. Ich fand ein erstes unbefristet vermietetes WG-Zimmer und wurde nach und nach die ganzen Schulden los, die sich angesammelt hatten. Das einzige, was noch übrig geblieben ist, ist natürlich der Kredit. Man könnte im Nachhinein darüber streiten, ob es so klug war, überhaupt einen privaten Studiengang zu wählen. Aber, wie ich in Teil 1 dieser Artikelreihe schon berichtet habe, trifft eine 18-jährige nicht unbedingt die logischsten Entscheidungen. Außerdem lässt sich die Vergangenheit sowieso nicht ändern und: Es ist ja ganz gut ausgegangen.
Ich vor meiner Wand mit Bildern
Ich und die Wand-Schönheiten

Wie ihr wisst, arbeite ich nun seit April in meinem ersten Job nach dem Studium – als Online-Redakteurin in einer Marketing-Agentur. Nachdem ich Ende Februar erst mein Bachelor-Kolloquium hatte, ging das vermeintlich recht schnell. Trotzdem habe ich ganz schön gezittert, in den Monaten zuvor. Schließlich wäre ich vermutlich wieder in finanzielle Not geraten, hätte ich nicht so zeitnah etwas gefunden. Und ich wollte das unbedingt: Endlich unabhängig sein und mein Leben allein finanzieren.

Nun steht mir natürlich auch kein Vermögen zur Verfügung, aber ich stehe auf eigenen Füßen, kann meine Miete bezahlen und brauche im Supermarkt nicht mehr jeden Cent umzudrehen. Das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl nach jahrelangem Ärger mit Kreditinstituten und Unterhaltspflichtigen. Aber der Stress hat auch seine guten Seiten: Ich kann hervorragend mit Geld umgehen und bin aus Gewohnheit im Grunde noch genauso geizig wie bisher. Und ich weiß Dinge sehr zu schätzen, die jetzt möglich und für andere vielleicht selbstverständlich sind. Ich habe beispielsweise zum ersten Mal in meinem Leben Essen bestellt – das war ein so luxuriöses Gefühl, dass ich mit leuchtenden Augen und glücklichem Grinsen dem Boten sein Trinkgeld in die Hand drückte. Aber auch eine lang ersehnte Wandverschönerung konnte ich vornehmen.

Die größte, aber auch dringendste Anschaffung in diesem ersten Monat ohne Geldsorgen war ein funktionierendes Smartphone, das nicht ständig abstürzt und aus geht. Selbst gekauft habe ich mir so ein Gerät zuletzt vor ungefähr fünf Jahren. Als Sparfüchsin habe ich natürlich keines von den teuren Marken gewählt. Aber es hat eine lange Akkulaufzeit und eine sehr annehmliche Kamera – das heißt, ich kann jetzt wieder besser und aktiver auf Instagram sein und euch in meinen Stories mitnehmen. Gut erreichbar zu sein und jederzeit auf Social Media zugreifen zu können, ist ja einfach wichtig als Medienmensch. Nun ist aber erstmal genug mit Geld ausgeben. Mein ebenfalls schon sehr alter, gebrechlicher Laptop muss wohl noch eine Weile durchhalten, bevor ich ihn in den Ruhestand schicke.

Frühstück und Kaffee, erstes Handyfoto
Eines der ersten Fotos mit dem neuen Handy


Was will ich mit diesem Post sagen? Auch wenn es von außen vielleicht anders aussieht – Studium fast in Regelstudienzeit mit guter Note abgeschlossen und schnell einen Job gefunden – ist das (Über-)Leben nicht immer so einfach. Und wer sich in einer Notlage befindet, hat oft das Gefühl, dass es keinen Ausweg gibt. Aber: Es geht immer irgendwie weiter. Und irgendwann wird es besser und später vielleicht wieder schlechter, aber die Zeit bleibt nicht stehen und Situationen verändern sich – zum Glück!

Also halte durch in der Not und freue Dich über die guten Zeiten! Erzähl mir doch in den Kommentaren, ob Du auch schonmal Geldsorgen hattest und wie es Dir damit ging. 💖

Sonntag, 7. Mai 2017

Blogger-Aktion: Meine Lieblingsblogs

Mit einem neuen Blog ist es wie mit vielem im Leben: Aller Anfang ist schwer. (Fange ich jetzt wirklich an, Phrasen zu dreschen?) Doch wenn der Anfang nicht wär, wo käm das Ende dann her?, lautet der Text eines Kanons. Aber an ein Ende ist noch lange nicht zu denken und es gibt viele Dinge, die den Anfang erleichtern. Beispielsweise die Aktion "Meine Lieblingsblogs", die Christin von nonche de verano ins Leben gerufen hat. Sie stellt jeden Monat einige Fragen, die die Teilnehmer*innen auf ihren eigenen Blogs beantworten. Dafür erscheinen sie mit einem Link auf der Inspirations-Seite von Christin und es wird jeweils ein Lieblingsblog des Monats gekürt. Die Teilnahmebedingungen sind natürlich auf Christins Blog noch einmal in ausführlicher Form zu finden.

Lucia Clara, Selfie, pinke Haare, bunt
"So bunt wie meine Haare"
Ich nehme gerne teil und beantworte jetzt die acht Fragen für den Mai:

1. Wie kamst Du auf die Idee für Deinen Blog?
Ich blogge schon seit einigen Jahren weitgehend anonym. Das aber nicht in einer Weise, dass ich Freunden und Bekannten entsprechende Links schicken würde. Da Schreiben meine Leidenschaft und inzwischen auch mein Beruf ist, haben mich immer wieder Leute gefragt, wo sie denn etwas von mir lesen könnten. Um einfach alles in einem Link zusammenzufassen, den ich weitergeben kann, habe ich mich dann für diesen Blog entschieden. Außerdem liebe ich den Austausch mit anderen Bogger*innen und Leser*innen, den ich schon vom früheren Bloggen kenne. Es ist toll, Menschen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen, die man im "wahren Leben" vielleicht niemals treffen würde. Nicht zuletzt kennen auch das einige von euch Schreiberlingen bestimmt: Die Worte müssen einfach raus und brauchen eine Plattform, auf der sie sich ausbreiten können.

2. Über was bloggst Du am liebsten?
Ich blogge auf Blitzlichtglitzer über meinen Weg in den Medienberuf und wie es ist, sich im Internet auszubreiten; aber auch über meine vegane Lebensweise, meine Haarfarbe oder Beobachtungen aus dem Alltag. Und ich poste Gedichte oder Tipps für Menschen, die nah am Wasser gebaut sind. Wie Du siehst, sind die Themen auf meinem Blog so bunt wie meine Haare, haben jedoch immer den Anspruch, authentisch und gut geschrieben zu sein. Wichtig ist mir dabei auch, zu zeigen, wie schön die Unterschiedlichkeit von Menschen ist und dass auch, wer aneckt, Erfolg und Anerkennung erreichen kann.

3. Was waren anfangs, bei der Erstellung des Blogs, die größten Hürden?
Die größte Hürde war auf jeden Fall die Namensfindung. Sie ist dafür verantwortlich, dass der Blog nicht schon ein halbes Jahr eher online gegangen ist. Auf meiner "Über mich"-Seite erzähle ich mehr darüber. Layout und Design waren natürlich auch eine Herausforderung: Ich wollte erst mit Wordpress.org arbeiten und hatte damit auch schon angefangen, aber irgendwie war ich einfach nicht zufrieden. Und dann habe ich doch wieder Blogger verwendet, denn damit kenne ich mich gut aus und mit ein paar HTML-Tutorials kann man auch viel an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

4. Was gefällt Dir am meisten am Bloggen?
Wie schon in Frage 1 gesagt, finde ich den Austausch mit anderen Menschen besonders toll am Bloggen - sonst bräuchte ich meine Texte ja nicht ins Internet stellen. Es ist schön, Feedback zu bekommen und sich davon inspirieren zu lassen, Menschen kennenzulernen auf diese besondere Blogger*innen-Weise und so viel zu entdecken, das einem sonst vielleicht verborgen bliebe.

5. Was hat sich in Deinem Leben verändert, seit Du bloggst?
Da ich noch recht neu mit diesem Blog bin, hat sich bisher nichts so Gravierendes verändert. Mit ein paar netten Menschen konnte ich mich schon austauschen und vernetzen. Vor allem aber beeinflusst das Bloggen jetzt täglich meinen Alltag. Jede Woche mache ich mir Gedanken darüber, worüber ich diesmal schreiben möchte. Außerdem verteile ich meine Posts regelmäßig in diversen Gruppen auf Facebook und poste Fotos auf Instagram, was mir besondere Freude bereitet, seit ich mir eine vernünftige Kamera angeschafft habe. Schau auch da also mal vorbei!

6. Stößt Dein Blog auf viel Lob bei Freund*innen?
Ich glaube zwar nicht, dass besonders viele Freund*innen meinen Blog überhaupt regelmäßig lesen. Aber ein paar Leute aus dem Real Life gibt es dann doch, die was dazu sagen – allen voran meine Mitbewohnerin als wohl treueste Leserin. 😉 Wie nicht anders zu erwarten, kommt da natürlich ganz gutes Feedback. Deshalb lege ich auch mehr Wert auf das Feedback von Leuten, die mir nicht nahe stehen, weil es einfach ehrlicher ist.

7. Was waren die ersten kleinen Erfolge Deines Blogs?
Überraschend war für mich der Erfolg meines Posts "Menschen-Vielfalt im Supermarkt", der ungefähr dreimal so oft angeklickt wurde, wie meine anderen Artikel. Das hat mich natürlich sehr gefreut, gerade auch, weil es ein sehr authentischer, persönlicher Beitrag war. Ein kleiner Meilenstein waren auch die ersten 30 Likes auf meiner Facebook-Seite – vielleicht möchtest Du ja dazu beitragen, dass es bald 50 werden? 😊

8. Was sind Deine Ziele für Deinen Blog?
Ich erhoffe mir für die nächsten Wochen und Monate, dass mein Blog an interessierten Leser*innen gewinnt und ich noch mehr Feedback und Anregungen bekomme, die ich beim Schreiben berücksichtigen kann. Es geht hier auf dem Blog in erster Linie um das Schreiben, den Austausch und darum, sich einander mitzuteilen. Blitzlichtglitzer soll ein offener, bunter, vielfältiger Ort sein, an dem wir gemeinsam wir selbst sein können und unsere Unterschiede und Andersartigkeiten feiern – selbstverständlich immer mit einer guten Prise Glitzer! 💖

Lucia Clara, Selfie, pinke Haare, blaue Lippen, Blick in die Zukunft
Blick in die Zukunft - was da wohl kommt?


So viel also zu meinen Antworten. Und weil die Aktion "Meine Lieblingsblogs" heißt, sind hier noch meine persönlichen drei aktuellen Lieblingsblogs:


Welche Deiner Lieblingsblogs würdest Du mir empfehlen? Und hast Du noch weitere Fragen zu mir und meinem Blog? Lass es mich in den Kommentaren wissen! 💖

Montag, 1. Mai 2017

Authentizität im Internet

Hier drinnen das Internet. Da draußen das Real Life. Das "echte Leben", während jenes im Internet rein virtuell ist? Über Authentizität im Internet und warum es mir so schwer fällt, ich selbst zu sein.

Fenster, Drinnen und Draußen, Internet und Real Life, Schatten, Licht
Fenster haben beide Welten - virtuell und real.

Internet vs. Real Life - ein alter Hut inzwischen, dieser Vergleich. Und mühsam für uns Online-Affine, immer wieder die Wirklichkeit der virtuellen Welt verteidigen zu müssen. Über die negativen Eigenschaften des Internets wurde schon genug gesprochen und ich habe dem nichts weiter hinzuzufügen. Stattdessen genieße ich all die Vorteile, die das Internet mir bietet. Ich kann zuschauen, wie Menschen am anderen Ende der Welt leben, und  mich von ihnen inspirieren lassen. Ich entdecke jeden Tag neue Menschen, die meine Interessen teilen, während die vor Ort mich dafür belächeln. Der größte Teil meines Wissens über Blogging, SEO, HTML, Feminismus, Make-up und Haare färben kommt aus dem Internet. Aber der wichtigste Punkt ist: Einige meiner besten Freund*innen, die inzwischen natürlich auch Teil meines "echten Lebens" sind, kenne ich aus dem Internet. Diesen Sommer zum Beispiel besucht mich eine Frau aus dem Internet, die ich eigentlich gar nicht kenne - was so nicht stimmt, weil wir uns schon seit Jahren schreiben...

Damit erzähle ich euch, die ihr Blogs lest oder selbst Blogger*innen seid, vermutlich nichts Neues. Und doch ist das Internet auch ein seltsamer Ort. Das merke ich vor allem, seit ich mit Blitzlichtglitzer ein etwas professionelleres Blogprojekt unter meinem echten Namen betreibe. Anonym bin ich schon seit Ewigkeiten in der Social-Media- und Bloggerwelt unterwegs. Aber jetzt ist meine virtuelle Identität untrennbar mit meinem wahren Ich verbunden. Das stellt mich vor die Frage: Wer bin Ich eigentlich? Und: Wie viel will ich davon preisgeben? Das sind Fragen, die vor der Existenz des Internets so wahrscheinlich nicht aufkamen. Da musstest Du schon Jemand sein, um Dich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Heute kann jeder Niemand ein E-Book veröffentlichen.

Jede*r wirft ständig neuen Content zu den vielen Inhalten, die es schon gibt und die sich immer weniger voneinander unterscheiden. Wo in dieser Fülle soll ich mich einordnen? Ein Thema aufzugreifen, das gut läuft im Internet, ist natürlich nicht dumm. Aber weil es so ziemlich alles schon gibt, was man sich vorstellen kann, wird es immer wichtiger, authentische Inhalte zu kreieren, um sich hervorzuheben. Und damit kommen wir zum Punkt: Wie kann ich mit Authentizität Erfolg haben, ohne mich nackt zu machen? Mit genau dieser Frage kämpfe ich aktuell. Ich schreibe schon beruflich hauptsächlich für Suchmaschinen. Auf Blitzlichtglitzer möchte ich für Menschen schreiben. Und für mich. In den zweieinhalb Monaten, die ich hier blogge, konnte ich tatsächlich feststellen, dass die authentischeren Posts wesentlich besser liefen als die, in denen ich versucht habe, Trends und SEO-Ratgebern zu folgen...

Wo ist also das Problem, fragt ihr euch? Nun, ich habe außerdem festgestellt, wie schwer es mir fällt, ich selbst zu sein. Insofern ist dieses Blogprojekt für mich eine echte Herausforderung. Und eine Möglichkeit der Selbstreflexion. Nun könnte man argumentieren, dass es ja auch nicht notwendig ist, vor einer (wenn auch noch recht kleinen) Öffentlichkeit "Ich selbst" zu sein. Wer tut das schon? Ich habe mir das schließlich selbst ausgesucht, meine Gedanken im Internet auszubreiten. Wenn das alles solche Hirnverknotungen in mir auslöst, warum lasse ich es nicht einfach?

rosa Fenster, Fenster hinter Transparentpapier
Fenster auf zu mir selbst!































Indem ich die Herausforderung "Authentischer Blog" annehme, möchte ich mich mit meiner Angst vor dem IchSelbstSein konfrontieren und die Erfolge in mein Real Life übernehmen. Vom Großen ins Kleine. So seltsam war ich schon als Kind mit meinen Musikinstrumenten: Ich habe kein Problem damit, auf einer Theaterbühne 300 weitgehend fremden Leuten gegenüber zu stehen. Aber wenn mich zwei, drei Menschen fragen, ob ich ihnen mal etwas vorspielen kann - keine Chance! Außerdem bevorzuge ich radikale Furchtbekämpfungsmaßnahmen - meine Angst vorm Telefonieren habe ich mir mit einem Nebenjob im Call-Center ausgetrieben.

Ich weiß noch nicht, wie viel ich von mir preisgeben werde. Aber ich habe so einige Texte und Fotoprojekte auf Seite, die noch auf eine Entscheidung über ihre Veröffentlichung warten. Und die werden euch zeigen, was hinter der Rosa-Glitzer-Fresse noch so alles steckt. Wie die Geschichte auch weiter geht - ihr werdet es erfahren, wenn ihr diesem Blog folgt. 😉

Erzähl mir in den Kommentaren von Deinen Gedanken und Erfahrungen zu Authentizität im Internet! 💖

Sonntag, 23. April 2017

Gedichte im Frühling

Ja, Du liest richtig: Ich schreibe Gedichte. Ab und zu, wenn mein Gehirn vor lauter Worten überläuft. Unter der Dusche oder bei einem Spaziergang im Regen. Ob sie mir gelungen sind, mögen die Leser*innen entscheiden. Denn weil ich diese Woche wenig Zeit für einen neuen Blogpost habe, kam ich auf den Gedanken, einfach ein paar meiner Gedichte zu veröffentlichen - und zwar solche, die ich im Frühling geschrieben habe. Das würde ich gerne passend zu jeder Jahreszeit wiederholen - wenn Du magst und diese Aktion den Erfolg meines letzten Posts nicht gleich dämpft. (Danke dafür übrigens!) Einige Gedichte sind bereits auf Wortkonfettiregen erschienen - einem Blog, der vor ein paar Jahren im Rahmen eines Uni-Projekts entstanden ist. Der ist aber nicht mehr wirklich aktiv, also bleib lieber hier und lies:

Zeit


Die Welt ist so weit
In diesem Wahnsinn aus Zeit.
Die Jahre fliegen vorbei.
Und solange sie fliegen, sind wir frei.

In Gefühlen und Gedanken
Bringen wir die Welt ins Wanken.
Unser ganzes Leben lang
Folgen wir diesem inneren Drang,
Uns am Leben zu betrinken,
Aus der Ferne den Sternen zu winken,
Uns die Haare zu raufen,
Ein paar schöne Dinge zu kaufen,
Für die exotischsten Speisen
Einmal um die Welt zu reisen,
Den Halt zu verlieren,
Um was Neues auszuprobieren...

Und wenn wir dann inne halten,
Betrachten wir unsere Falten,
Lassen die Blicke schweifen
Und versuchen die Zeit zu begreifen.
Die Minuten, Sekunden und Stunden,
Sie haben uns doch gefunden,
Obwohl wir zu wissen glaubten,
Dass diese Momente niemals verstaubten,
In denen wir dachten, die Zeit stünde still.
Und nun ist schon wieder April.
Der wievielte, das haben wir vergessen,
Aber Zeit lässt sich sowieso nicht in Tagen messen.

(April 2015, für Opa)

Make-up, Buchstaben, Highlighter
Wer wäre ich, hätte ich nicht ein wortinspiriertes Make-up auf Lager?

Das Wesentliche


Lebendes Wesen
Ohne Sinn für das Wesentliche
Mit wesentlich mehr
Als drei Worten
Immer noch schwer
Zu beschreiben
Was Sinn macht
Und was lose
Im Wind weht
Während die wesentlichen Wesen
Verwesen

(März 2015)


Tempelhofer Feld, Füße, Weg, Anfang
Am Anfang das Wort...


Regen


Es regnet, es regnet,
Die Erde wird nass.
Du stehst dort im Regen
Und bist ganz blass.

Du schaust mich an,
Fragst, wie ich das kann:
Verheddert in all den Spinnenweben
Weiterzumachen und zu überleben.

Ich stehe im Regen,
Ich gehe im Regen,
Ohne lang zu überlegen -
Du musst Dich bewegen!

Gib mir die Hand
Und ich zeig Dir das Land
Hinter der Wand,
Die Deine Schritte behindert.

Ich geb Dir die Hand,
Zeig Du mir Dein Land
Zwischen all den Regentropfen,
Die Deine Lunge verstopfen,
Bleibt noch ein Hauch von Luft.
Und der bezaubernde Duft
Nach dem Leben.

Auch wenn sich Gewalten über Dich erheben,
Hör niemals auf, nach dem Leben zu streben.
Denn Du bist es wert.
Und wer das nicht denkt, der denkt verkehrt!

Es regnet, es regnet,
Die Erde wird nass
Und je nasser die Erde,
Desto grüner das Gras.

(März 2015)

Make-up, Buchstaben, Highlighter
Mehr Bilder findest Du auf meinem Instagram-Profil.

Frühlingserwachen


Der Himmel ist blau, so blau,
Voll von zarten Schleiern von Wolken.
Sie haben die Farben von Rosen und Flieder
Und spiegeln die goldene Sonne wieder.
Überall Frühling und Lachen und Musik,
Die Luft voll frischer Düfte.
Die Welt, wie sie aufblüht und lebt -
Bis eines Tages die Erde bebt.

(März 2010)


Konfetti, Worte, Buchstaben
2015 mit schwarzen Haaren beim Wortkonfettiregen-Shooting.



Was das letzte Gedicht betrifft, wirst Du spätestens im Winter meinen Hang zu makaberen Wendungen näher kennenlernen. 😉 Was sagst Du? Findest Du Gedichte eher langweilig und altmodisch oder kannst Du Dich dafür begeistern? Vielleicht bist Du auch ein Poetry-Slam-Fan? Damit kann ich persönlich ja eher weniger anfangen - aber vielleicht liegt das daran, dass ich noch nie teilgenommen habe?

Lass mir in den Kommentaren Dein Feedback da!
💖💖💖