Montag, 6. März 2017

3 Gedanken zu Body Positivy im Frühling

In den letzten Tagen war es angenehm warm und sonnig in Berlin - zumindest für diese Zeit im Jahr. Der Wintermantel durfte zu Hause bleiben und das lästige Schicht-über-Schicht-über-Schicht-ziehen hat nun bald ein Ende. Ich mag den Frühling, das Licht und die längeren Tage. Wenn langsam wieder Farbe in die Welt kommt, fühle ich mich gleich viel motivierter, morgens aufzustehen und auch mal einen Spaziergang zu machen, statt den ganzen Tag vor dem Laptop zu hängen. Zwei Dinge mag ich allerdings gar nicht am Frühling. Das ist zum einen meine Allergie auf alles, was sich Frühblüher schimpft. Zum anderen sind es die Titelseiten mit den "In zwei Wochen Bikini-Figur"-Diättipps am Kiosk oder Plakate mit fragwürdigen Werbebotschaften, die mit den ersten Sommersonnenstrahlen wie die Frühblüher aus dem Boden sprießen. Eigentlich habe ich keine Lust, mich jedes Jahr wieder mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber als Medienmensch interessiere ich mich natürlich dafür, was dahinter steckt. Ich weiß, wie Werbung gemacht wird, und frage mich, wie sehr sie und andere Medien mich eigentlich beeinflussen. Vor allem wenn die warmen Jahreszeiten kommen und die Kleidungsstücke kürzer werden, beschäftigt mich das im Zusammenhang mit Body Positivy. Mache ich als Person, die sich schminkt, die Beine rasiert und nur sehr ungern Hotpants trägt, das wirklich nur, weil ich es so will? Oder bedeutet das natürlichere Aussehen, zu dem mir viele meiner Mitmenschen raten, automatisch mehr Selbstvertrauen? Zu drei verschiedenen Lebensbereichen, in denen Body Positivy eine Rolle spielt, habe ich mir Gedanken gemacht, die ich mit euch teilen möchte:

1. Ich fühle mich nicht wohl in Hotpants

"Sie können sowas tragen, sie sind ja so schlank. Aber diese fetten Weiber, die so rumlaufen... Schlimm!", sagte eine Nachbarin im Fahrstuhl zu mir, vor einigen Jahren, als ich noch in Größe XXS passte. Vermutlich muss ich mir also keine Sorgen machen, was andere davon halten, wenn ich kurze Hosen trage. Anders ist das bei hochsommerlichen Oberteilen ohne Rollkragen. Zumindest wenn man sich bei fast 40 Grad Außentemperatur einer Abitur-Nachprüfung unterziehen muss. Ich hatte damals die Gelegenheit, freiwillig noch eine mündliche Latein-Prüfung abzulegen, um meinen Schnitt um eine Kommastelle anzuheben. Mit entsprechender Einstellung tauchte ich dort nicht in besonderer, sondern ganz normaler, der Hitze entsprechender Kleidung auf. Zwischen Befragung und Ergebnisverkündung durfte ich mir eine schlimme Predigt einer beisitzenden Lehrerin anhören. Sie bezeichnete mich als "kleines Flittchen" und warf mir vor, mich absichtlich aufreizend angezogen zu haben, um die männlichen Anwesenden zu einer besseren Bewertung zu bewegen. So kam es, dass ich die gute Note unter Tränen zur Kenntnis kam, denn ich hatte nicht im Entferntesten daran gedacht, mit meiner Kleidung irgendetwas anderes zu bewirken, als angezogen zu sein.

Mir werden ja oft freundlichere
Farben ans Herz gelegt...


Dieses kleine Beispiel hat nicht direkt etwas mit medialen Darstellungen zu tun. Oder vielleicht
doch? Ich darf also davon ausgehen, als schlanke Person in Hotpants nicht doof angeschaut zu werden. Passt ja schließlich gut zu den allgemeinen Sehgewohnheiten. Gleichzeitig kann ich mich auf unangenehme Kommentare gefasst machen. Von den Anderen. Können die sich nicht mal entscheiden? Darauf zu warten, wäre wohl ein sehr frustrierendes Vorhaben. Aber eigentlich ist das, was die anderen wollen, ja völlig egal. Schließlich stecke ich in meiner Haut. Und "Hotpants" (übrigens eine blöde Bezeichnung) sind einfach nicht meins. Ebenso wenig wie hochgeschlossene Blusen. Deshalb starte ich den Frühling mit Sternchen, Glitzerkatzen und grünen Lippen. So wie mir das am besten gefällt. Die kurzen Hosen überlasse ich mit Freuden allen Menschen, die sie gerne tragen.

2. Essen in der Öffentlichkeit

Wie war das nochmal mit der Bikini-Figur? Figur haben - Bikini anziehen - fertig? Oder hältst Du Dich beim Essen mit Freund*innen doch lieber zurück? Sobald es Frühling wird, habe ich das Gefühl, dass alle um mich herum auf Diät sind. Und wer abnehmen möchte, soll das gerne tun, solange dies in einem gesunden Rahmen geschieht. Ich muss ja nicht mitmachen. Trotzdem ertappe ich mich hin und wieder dabei, dass ich mein Essverhalten in Gesellschaft verändere. Ich nehme weniger auf die Gabel, esse möglichst langsam und nehme keine zweite Portion, selbst wenn ich noch Hunger habe. Von mir als Veganerin wird doch auch irgendwie erwartet, dass ich mich gesund ernähre. Vor allem wenn andere Anwesende während des Essens die ganze Zeit von ihrer Diät sprechen, fühle ich mich mit meinem vollen Mund unwohl. Meine Empfehlung lautet daher: Wähle ein Gericht, bei dem es unmöglich ist, sich nicht einzusauen. Messer und Gabel sind tabu! Am besten eignen sich Burritos, Wraps, Döner oder Burger. Schmeckt alles sehr gut und man fühlt sich nicht wie ein Schwein, weil alle anderen auf die selbe Weise essen müssen.

3. Body Positivity und Beauty?


Offensichtlich schmiere ich mir gerne Farbe in die Haare und ins Gesicht. Heißt das jetzt, dass ich mich furchtbar unwohl in meinem Körper fühle und das zu kompensieren versuche? Warum sollte jemand wie ich dann überhaupt über ein Thema wie Body Positivity schreiben? Die Antwort ist: Ich fühle mich sehr wohl mit meinen Haaren und dem Make-up. Jeder kann sehen, dass ich nicht von Natur aus so aussehe, und darum geht es mir auch überhaupt nicht. So zu tun, als wäre man so aus dem Bett gefallen, finde ich aber nicht so toll. Wir sehen doch alle gerne so aus, wie wir es an uns selbst schön finden. Die einen machen sich damit mehr, andere weniger Arbeit. Darum muss niemand ein Geheimnis machen. Für alle, die es noch nie gemacht haben: Damenbart-Waxing tut weh. Das würde ich für niemanden außer mich selbst in Kauf nehmen. So oder so ist es mein Gesicht und ich bin diejenige, die jeden Tag im Spiegel damit konfrontiert wird. Beauty und Body Positivy haben sehr viel miteinander zu tun, denn wenn ich mich wohl in meiner Haut fühle, kann ich mich auch schön finden. Ob ich mir dafür Haare ausreiße oder nicht, mir eine Tonne oder gar kein Make-up in die Fresse klatsche, obliegt nicht dem Urteil der Anderen.

Ich hoffe, Du kannst positiv in den Frühling starten und hast freundliche Menschen um Dich, die sich auch dafür interessieren, was in Dir steckt. Lass mich wissen, was Du mit Body Positivity verbindest und ob Du auch schon einmal eine negative Erfahrung in diese Richtung machen musstest. Zum Glück nimmt das Thema inzwischen ja zunehmend Raum ein in den Medien! 💖

Kommentare:

  1. Richtig toll Clara! ♡

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  2. Man kann es doch nie jedem recht machen.. Nur dir selbst :) Bleib dir treu <3

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  3. Ich finde deinen Post wirklich super! Du hast so recht mit dem was du sagst. Statt - wie tatsächlich jeder in meinem Umfeld - eine Diät zu machen, habe ich komplett aufgehört Kalorien zu zählen und mehr auf meinen Körper zu hören �� Manchmal braucht es eben ein bisschen, bis es Klick macht!

    Liebe Grüße
    Stephi // http://stephisstories.de

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