Samstag, 20. Mai 2017

Ich und die Medien #3 – Geldsorgen im Studium

Während meiner Studienzeit hatte ich fast immer Geldsorgen. Wie ich damit umgegangen bin und wie es mir jetzt mit meinem ersten Job geht, der meinen gesamten Unterhalt finanziert, erfährst Du in Teil 3 meiner Reihe "Ich und die Medien".

Gelber Blumentopf voller Kleingeld
Wenn man jeden Cent umdrehen muss...


Geld ist nicht alles, sagt man. Und das stimmt zweifellos! Aber Geld ist auch nicht nichts. Denn wer es nicht hat, dem geht es schlecht. Und wer zu viel davon besitzt, verhält sich zuweilen seltsam. Irgendwie muss sich also jede*r von uns mit Geld arrangieren. Was wahnsinnig überheblich klingt. Ich bin nicht gerade in armen Verhältnissen aufgewachsen. Ich hatte alles, was ich brauchte, aber auch nicht wesentlich mehr. Ein durchschnittliches Leben, was das Finanzielle betrifft. Aber wie das so ist im Studium, reicht der mühsam eingetriebene Unterhalt trotz zusätzlicher Nebenjobs höchstens gerade so. Meine Wohnungsnot während der ersten anderthalb Jahre in Berlin brachte auch noch Schwierigkeiten. Ich musste oft umziehen – von einer Zwischenmiete zur nächsten – und meine Kautionen habe ich mehrmals nie wieder gesehen. Aber ich hatte auch nicht die Kraft, mich dagegen zu wehren und wenn Du keine Alternative hast, ziehst Du auch beim zwielichtigsten Vermieter ein.

Ich habe meine Studiengebühren über den Studienkredit finanziert, aber bevor es zu einer ersten Auszahlung kam, musste ich mich erst monatelang mit den Verantwortlichen rumärgern. Denn erst kamen die Unterlagen, die von der Bank an das Kreditinstitut geschickt werden mussten, niemals dort an und ich musste einen neuen Antrag stellen. Dieser wurde wegen eines Tippfehlers komplett und ohne einfach korrigieren zu können abgelehnt. Erst beim dritten Mal funktionierte es endlich. Und bis dahin rauschte mein Kontostand weit ins Minus und, ja, ich ernährte mich eine Zeit lang durch Flaschenpfand. Ich musste schwarz fahren, wurde mehrmals erwischt und konnte die Strafe nicht bezahlen. Irgendwann wurde sogar mein Konto gepfändet. Es ist übrigens überhaupt nicht einfach, aus so einer Situation wieder herauszukommen! Das alles verursacht ordentlich psychischen Stress und wohlgemerkt habe ich nebenbei noch studiert und gearbeitet. 

Als ich dann endlich die Zahlungen des Studienkredits erhielt, normalisierte sich langsam alles wieder. Ich fand ein erstes unbefristet vermietetes WG-Zimmer und wurde nach und nach die ganzen Schulden los, die sich angesammelt hatten. Das einzige, was noch übrig geblieben ist, ist natürlich der Kredit. Man könnte im Nachhinein darüber streiten, ob es so klug war, überhaupt einen privaten Studiengang zu wählen. Aber, wie ich in Teil 1 dieser Artikelreihe schon berichtet habe, trifft eine 18-jährige nicht unbedingt die logischsten Entscheidungen. Außerdem lässt sich die Vergangenheit sowieso nicht ändern und: Es ist ja ganz gut ausgegangen.
Ich vor meiner Wand mit Bildern
Ich und die Wand-Schönheiten

Wie ihr wisst, arbeite ich nun seit April in meinem ersten Job nach dem Studium – als Online-Redakteurin in einer Marketing-Agentur. Nachdem ich Ende Februar erst mein Bachelor-Kolloquium hatte, ging das vermeintlich recht schnell. Trotzdem habe ich ganz schön gezittert, in den Monaten zuvor. Schließlich wäre ich vermutlich wieder in finanzielle Not geraten, hätte ich nicht so zeitnah etwas gefunden. Und ich wollte das unbedingt: Endlich unabhängig sein und mein Leben allein finanzieren.

Nun steht mir natürlich auch kein Vermögen zur Verfügung, aber ich stehe auf eigenen Füßen, kann meine Miete bezahlen und brauche im Supermarkt nicht mehr jeden Cent umzudrehen. Das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl nach jahrelangem Ärger mit Kreditinstituten und Unterhaltspflichtigen. Aber der Stress hat auch seine guten Seiten: Ich kann hervorragend mit Geld umgehen und bin aus Gewohnheit im Grunde noch genauso geizig wie bisher. Und ich weiß Dinge sehr zu schätzen, die jetzt möglich und für andere vielleicht selbstverständlich sind. Ich habe beispielsweise zum ersten Mal in meinem Leben Essen bestellt – das war ein so luxuriöses Gefühl, dass ich mit leuchtenden Augen und glücklichem Grinsen dem Boten sein Trinkgeld in die Hand drückte. Aber auch eine lang ersehnte Wandverschönerung konnte ich vornehmen.

Die größte, aber auch dringendste Anschaffung in diesem ersten Monat ohne Geldsorgen war ein funktionierendes Smartphone, das nicht ständig abstürzt und aus geht. Selbst gekauft habe ich mir so ein Gerät zuletzt vor ungefähr fünf Jahren. Als Sparfüchsin habe ich natürlich keines von den teuren Marken gewählt. Aber es hat eine lange Akkulaufzeit und eine sehr annehmliche Kamera – das heißt, ich kann jetzt wieder besser und aktiver auf Instagram sein und euch in meinen Stories mitnehmen. Gut erreichbar zu sein und jederzeit auf Social Media zugreifen zu können, ist ja einfach wichtig als Medienmensch. Nun ist aber erstmal genug mit Geld ausgeben. Mein ebenfalls schon sehr alter, gebrechlicher Laptop muss wohl noch eine Weile durchhalten, bevor ich ihn in den Ruhestand schicke.

Frühstück und Kaffee, erstes Handyfoto
Eines der ersten Fotos mit dem neuen Handy


Was will ich mit diesem Post sagen? Auch wenn es von außen vielleicht anders aussieht – Studium fast in Regelstudienzeit mit guter Note abgeschlossen und schnell einen Job gefunden – ist das (Über-)Leben nicht immer so einfach. Und wer sich in einer Notlage befindet, hat oft das Gefühl, dass es keinen Ausweg gibt. Aber: Es geht immer irgendwie weiter. Und irgendwann wird es besser und später vielleicht wieder schlechter, aber die Zeit bleibt nicht stehen und Situationen verändern sich – zum Glück!

Also halte durch in der Not und freue Dich über die guten Zeiten! Erzähl mir doch in den Kommentaren, ob Du auch schonmal Geldsorgen hattest und wie es Dir damit ging. 💖

Kommentare:

  1. Huhu Lucia, ich mache das auch so wie Du. Ich habe mir auch vor einziger Zeit zum ersten Mal ein Handy gekauft & eine neue Kamera *-*, sonst habe ich immer das Handy genommen von meinem Freund. Ich hatte noch nie viel Geld im Leben, daher bin ich es gewohnt, ohne viel Geld auszukommen. Ich nutze sehr viele Coupons & Cashbackaktionen um zu sparen. Klar, ist es doof wenig Geld zu haben oder Geldsorgen zu haben, aber ich denke immer, man sollte sich nicht mit anderen Menschen vergleichen, auch wenn das manchmal schwierig ist.

    Liebe Grüße & einen schönen Sonntag, Alina

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    1. Hey :) Ja, eine Kamera habe ich mir schon etwas eher zum Selbstbelohnen nach der Bachelorarbeit gegönnt – gebraucht und zusammengestückelt^^
      Ja, es ist wirklich schwierig, wenn alle um einen herum zumindest finanziellen Rückhalt von irgendwem haben im Notfall. Man kann eben oft nicht mit, wenn der Club 12 Euro kostet oder die Freund*innen gemeinsam in den Urlaub fahren und man eben zu Hause bleibt. Aber gewohnt bin ich das auch. Ich war z.B. auch nicht bei meiner Abi-Fahrt dabei. Man muss nur aufpassen, dass man nicht vereinsamt und auch Aktivitäten findet, die nichts kosten bzw. Leute, die akzeptieren, dass man wenig hat. :)

      Alles Liebe,
      Lucia

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  2. Geldsorgen sind etwas Hässliches. Ich kann Deine Situation absolut nachfühlen & ich kann mir vorstellen, dass Dich oft der Gedanke geplagt hat, wie Du da am Besten wieder rauskommst.

    Schön finde ich Deinen Gedanken, dass Geld ja wirklich nicht alles ist, oder wie Du es formuliert hast 'Man muss nur aufpassen, dass man nicht vereinsamt und auch Aktivitäten findet, die nichts kosten bzw. Leute, die akzeptieren, dass man wenig hat. :)' Geb ich Dir absolut Recht! Weil wer braucht schon Freunde, die nur geil auf die Freundschaft sind, weil man Kohle hat (;

    In diesem Sinne:
    Stay awesome <3 • kisudoesstuff

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