Sonntag, 9. Juli 2017

Gedichte im Sommer

Es ist (nun endlich wirklich) Sommer – und das heißt, es ist wieder Zeit für Gedichte! Zu jeder Jahreszeit stelle ich meine kleinen Werke aus den jeweiligen Saisons vor. Nach dem letzten Beitrag vielleicht eine willkommene Abwechslung in Versform. 😉 In den vergangenen Monaten flogen mir leider kaum neue Reimereien zu. Aber ich kann glücklicherweise auf einen großen Fundus zurückgreifen. Wie schon im Frühling habe ich auch wieder ein Exemplar aus Kindertagen dabei (das letzte). Im Folgenden also drei Gedichte, die ich im Sommer geschrieben habe.

Ich stehe in einem Treppenhaus, schaue aus dem Fenster, schräg hinter mir eine Pflanze mit grünen Blättern.
Immer am Hinterfragen | Foto: Katrin Eissing

Leben im Überfluss


Die Zeit kriecht und siecht
Und der Wind weht beflügelnd in meine Hände,
Was all die Werbewände
Mir in bunten Farben versprachen,
Bevor sie jedes einzelne dieser Versprechen brachen.

Endlich kannst Du Dich frei entfalten
Mit dieser Anti-Falten-Creme!
Dein ganzes Leben wird er zusammenhalten,
Der neue Super-Kleber, Du wirst schon seh'n!

Du hast Probleme?!
Lass Dir bunte Pillen verschreiben! 
Damit sie Dir die Sinne vertreiben
Und die Leere Dich anblickt,
Während ihre kalte Hand Dich mühelos erstickt.

Ich steh' mit einem Bein fest im Leben
Und mit dem anderen in meinem Glitzer-Wolken-Traum.
Er bringt die Werbewände zum Beben,
Bringt meine Sinne zum Schweben,
Und ich verlasse den Stachel-Draht-Raum – 
Ganz ohne Drogen, 
Man glaubt es kaum! –
Überspanne ich den Bogen.
Spitze Splitter kommen geflogen
Mitten ins Herz!
Spürst Du den Schmerz?
Das ist die Wehmut,
Des Feuers letzte Glut.

Das Wissensfieber nagt,
Wenn die Welt Dich plagt,
Die Welt und ihr Weinen
Und vom Leben das Scheinen.
Die Scheine, die fehlen,
Die Wahl, auszuwählen,
Die Qual, Deine Schuhe zu zählen,
Der überfließende Überfluss
Und sein giftig-süßer Kuss,
Der Dich in den Wahnsinn treibt,
Während mir nur der Wind bleibt,
Den Du hier hinterlässt,
Während sich Deine Nase schon an das nächste Schaufenster presst.

(29. Juli 2015)



Traumklangraum


Träume. Klänge.
Räume. Länge.
Zäune. Enge.

Im Klang Deiner Träume verlierst Du Dich.
In der Länge der Räume verirrst Du Dich.
Im Zwang ihrer Zäune begraben sie Dich.
In der Enge der Leere vergessen sie Dich.

Träume.
Nicht ohne den Klängen des Lebens zu lauschen.

Nutze die Räume.
In ihrer vollen Länge.

Stämme Dich gegen die Zäune.
Und befreie Dich aus ihrer Enge.

Vergiss
Die Anderen.
Aber vergiss Dich nicht selbst.

Träume von einem klangvollen Leben voller Langzeiträume.
Und vergiss ihre Eng-Stirn-Zäune.
Halte nichts von ihren Grabesreden.
Denn bis zum Ende ziehst Du die Fäden. 

(5. Juli 2015)


Lunas und des Himmels Liebe


Lässt die Sonn' das Scheinen sein
Und bricht die Dämmerung herein,
Ist nur ein Lächeln von Luna von Nöten,
Um den blauen Himmel zu erröten.
Das ist dem Himmel peinlich nun:
Er legt sich einen dunklen Mantel um.
Der Mond erleuchtet diese Finsternis,
Die Sternlein helfen ihm gewiss.
So sind die beiden nun vereint,
Der Morgen wird zum großen Feind.

(20. August 2009)

Ich mit meinen Haaren vor dem Gesicht, vor allem die Augen sind verdeckt.
Sie denken, Du siehst nichts, dabei hast Du die schönste Traumwelt vor Augen | Foto: hml-art

Ich hoffe, Dir hat gefallen, was du gelesen hast. 
Hinterlasse mir doch einen Kommentar mit Deinem Feedback!
💖

Kommentare:

  1. "Halte nichts von ihren Grabesreden.
    Denn bis zum Ende ziehst Du die Fäden"
    Dito :)

    AntwortenLöschen
  2. "Du hast Probleme?!
    Lass Dir bunte Pillen verschreiben!
    Damit sie Dir die Sinne vertreiben" auf den Punkt gebracht! 👌

    AntwortenLöschen
  3. Wow. Du hast echt ein Händchen für Gedichte <3 Ich beneide Dich um diesen flüssigen & fließenden Versreim, der so geschmeidig klingt! Nur weiter so :3

    Ich finde diese Passage ganz besonders spannend:
    "Vergiss
    Die Anderen.
    Aber vergiss Dich nicht selbst."

    Das hätte man zu mir vor gut 15 Jahren sagen sollen (; Aber man lernt & darum ist es schon okay, wie es ist [:

    In diesem Sinne:
    Stay awesome ♡

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, vielen Dank Dir! 💖 Ich übe ja auch schon seit 20 Jahren. :D
      Ja, ich finde, das muss mensch sich immer wieder mal sagen. Damit es nicht vergessen wird. ;)

      Alles Liebe,
      Lucia

      Löschen

Schreib mir, was Du dazu denkst! ♥

Falls Du selbst einen Blog hast, antworte ich Dir gerne dort - ansonsten schalte die Benachrichtigungen ein, um Antworten auf Deinen Kommentar nachzuverfolgen.