Freitag, 8. September 2017

Ich habe gekündigt! – Ich und die Medien #4

Ja, du liest richtig! Vor ein paar Monaten habe ich noch aufgeregt von der Zusage für meinen ersten richtigen Job berichtet – jetzt habe ich gekündigt. Warum und wie es jetzt weitergeht, erfährst du in Teil 4 meiner Reihe Ich und die Medien.

Laptop mit geöffneter Blitzlichtglitzer-Seite, Handy, rosa Notizbuch und rosa Kaffeetasse mit weißen Punkten stehen auf Holzdielenboden
Das Equipment wächst. Habe ich jetzt mehr Zeit zum Bloggen?

Was bisher geschah...

Ich habe also gekündigt. Warum? War der Job scheiße? – Nein. War er mein Traumjob? – Auch nicht. Aber das habe ich von meiner ersten Arbeitsstelle nach dem Studium auch nicht erwartet. Vielmehr war meine Stelle als Online-Redakteurin bei einer Marketing-Agentur ziemlich genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Während meines Bachelor-Studiums arbeitete ich ja bereits zwei Jahre als freie Texterin für eine andere Agentur. Ich war also gut vorbereitet auf meine Aufgabe: Texte schreiben zu vielen unterschiedlichen Themen – nur eben im Korsett einer 40-Stunden-Woche im Großraumbüro. Ich kann prinzipiell zu jedem Thema und jeder Zeit irgendwas schreiben. Letztlich ist das, was so große Agenturen machen, aber Fließband-Texten – manchmal schreibst du 30 Texte zum selben Thema, von dem du oft nicht den blassesten Schimmer hast; einen nach dem anderen, acht Stunden am Stück. Das geht natürlich auf Kosten der Qualität. Und mir persönlich ist das, obwohl ich es mitunter gerne mache, auf Dauer zu eintönig. Eine so kreative Tätigkeit wie das Verfassen von (nicht nur für Google) lesenswerten Texten lässt sich eben schwer in die Struktur eines herkömmlichen Arbeitstages sperren.

Auch das war mir bewusst, als ich den Job angenommen habe. Schließlich sollte er ja auch eine erste, keine Endstation sein. Mir war von Vornherein klar, dass das Thema Ausbildung für mich mit dem Bachelor noch nicht abgeschlossen war. Auf einige Volontariate hatte ich mich mit ausbleibendem Erfolg beworben, ein Master-Studium aus finanziellen Gründen ausgeschlossen. Und ewig Zeit hatte ich mit meiner Ebbe im Geldbeutel auch nicht, zu warten, bis mir etwas perfekt Passendes über den Weg laufen würde. Das wäre auch recht hochmütig gewesen. Mein Vertrag war ohnehin auf ein Jahr befristet, sodass ich beschloss, dieses Jahr zu nutzen, um Geld zu verdienen, Arbeitserfahrung zu sammeln und in Ruhe zu überlegen, wo es als nächstes hingehen sollte.

Soll ich wirklich kündigen?

Ein ganzes Jahr habe ich mir nun nicht Zeit gelassen. Und um das Geheimnis endlich zu lüften: Ich habe mich doch für einen Master entschieden – im Fach Digitale Medien. Das wäre so nicht möglich, hätte ich nicht vor gut einem halben Jahr diesen Job als Online-Redakteurin angenommen. Ich werde nämlich weiter in der Firma arbeiten, nur eben als Werkstudentin mit 20 Wochenstunden. So muss ich mir weder etwas neues suchen, noch um mein finanzielles Überleben während des Studiums bangen.

Das klingt alles nach einer durchdachten Entscheidung, jetzt, da sie getroffen ist. Leicht habe ich es mir allerdings nicht gemacht. Schließlich heißt es in so ziemlich allen Ratgebern: Mindestens drei Jahre sollten Sie es in einem Job, den Sie nicht mögen, schon aushalten. Auch wenn meine Arbeit nicht schrecklich war: Drei Jahre?! Das ist doch wahnsinnig viel Zeitverschwendung! Klar, den Job zu wechseln oder eben, wie in meinem Fall, etwas ganz anderes zu machen, ist ein Privileg und nicht jede*r hat die Möglichkeit. Und ich weiß auch, dass es dabei um die drei Jahre Arbeitserfahrung geht, die du am besten schon vor deinem ersten Job gesammelt haben sollst. Aber wenn da eine neue Chance winkt, dann ist die Angst, sich auf diese Weise den Lebenslauf zu versauen, das wohl schlechteste Argument, stattdessen drei Jahre Stillstand zu akzeptieren, oder? Doch genau diese Angst wuchs in mir, je näher der Tag der Entscheidung rückte.

Zettel mit den handgeschriebenen Worten "Freiheit", "Wahrheit", "Herausforderung" liegt auf Laptop-Tastatur.
Neue Ziele für meine berufliche Zukunft!

Die Entscheidung – ein schwieriger Prozess

Ich hatte einige Bewerbungen rausgeschickt. Einfach so, um zu sehen, ob ich überhaupt eine Zusage bekäme. Darüber nachdenken könnte ich ja dann immer noch, dachte ich – so schob ich die Verantwortung für die Entscheidung erst einmal von mir weg. Ich hatte die Rechnung allerdings ohne zulassungsfreie Studiengänge gemacht. Zwischen Absagen, Abwarten und Verwerfungen fand ich so einen, der mir zusagte, auch wenn sich die Hochschule im entfernten Brandenburg befinden sollte. Na gut, dachte ich, den lasse ich mir mal als Hintertürchen offen – ich brauchte mich schließlich nur einzuschreiben und das ginge auch noch kurz vor Semesterbeginn.

Ihr müsst wissen, dass ich im Bachelor mit "lausigen" 2,1 abgeschnitten habe. Das bedeutet, es an den staatlichen Unis in Berlin in einen zulassungsbeschränkten Master-Studiengang mit Medienbezug zu schaffen, ist ziemlich utopisch. Ich habe es natürlich trotzdem versucht. Die Antworten ließen allerdings ewig auf sich warten, sodass ich langsam in Panik geriet: Ich wusste, ich wollte im Wintersemester meinen Master beginnen; das fühlte sich einfach richtig an. Aber was, wenn das gar nicht klappen würde? Sollte ich dann Brandenburg nehmen? Den "Arsch der Welt"? Täglich pendeln?! Ich schaute mir den Studiengang noch einmal genauer an – und gewann echtes Interesse an meinem Notnagel! Nur an der Kompatibilität meiner technischen Fähigkeiten mit den Fächern zweifelte ich noch. Es würde eben eine Herausforderung werden. Endlich einmal wieder eine richtige, risikoreiche Herausforderung! – Schon schwappte mir die nächste Panik-Welle über den Kopf: Was, wenn ich nun doch in Berlin angenommen werden würde, nachdem ich mich so gut mit Brandenburg angefreundet hatte?

Irgendwann musste ich mich dann wirklich entscheiden. Ich hatte mir den letzten möglichen Kündigungstag errechnet. Meine Kündigung lag ausgedruckt auf meinem Schreibtisch. Die Kündigungswoche begann. Keine Benachrichtigung von Berlin. Ich stellte also die Unterlagen für Brandenburg zusammen. Zur allergrößten Not könnte ich mich immer noch umimmatrikulieren lassen, auch wenn ich dann den Semesterbeitrag nicht zurückbekommen würde. Eigentlich war die Entscheidung schon längst gefallen. Aber wie das so ist, schiebt sich kurz vor der Umsetzung immer noch einmal die rosa Brille ins Blickfeld und du fragst dich: Bin ich wirklich gerade im Begriff, sämtliche Sicherheiten aufzugeben und mich auf völlig unbekanntes Terrain zu begeben? Schließlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob es mit der Werkstudententätigkeit klappen würde, Bafög-Anspruch habe ich keinen und familiären Rückhalt erst recht nicht. Ja, antwortete ich mir selbst, und machte mich auf den Weg zur Chefin.

Ich schüttele meine rosa Haare durch die Gegend.
Ein bisschen verrückt ist das alles schon... | Foto: hml-art

Und jetzt...?

Meine Kündigung wurde gut und verständnisvoll aufgenommen. Ich denke, man war ziemlich zufrieden mit meinen Leistungen; ich habe immer gutes Feedback bekommen und darf als Werkstudentin weiter dort arbeiten. In den letzten Monaten habe ich jedenfalls sehr an Vertrauen in meine Fähigkeiten gewonnen und meinen Schreibwerkzeugkasten erweitert. Mit der Entscheidung für das Master-Studium bin ich bisher sehr glücklich, auch wenn die Vorlesungen noch gar nicht angefangen haben. Aber ich spüre die Erleichterung nach diesem wochenlangen Entscheidungsprozess und ich freue mich auf all die neuen Sachen, die ich jetzt machen darf. Vielleicht werde ich sie nicht so gut können, vielleicht ergeben sich aber auch völlig neue Möglichkeiten und zum Lernen bin ich ja da. Das nervt mich sowieso, dass du am besten alles schon können sollst, um überhaupt eine Chance auf die Ausbildungsmöglichkeiten zu haben. (Für Berlin habe ich übrigens eine Absage bekommen, die Rückmeldung für einen weiteren Studiengang steht noch aus.)

Wenn ich mich jetzt frage, ob ich eigentlich bekloppt bin, mich in ein so eisiges Wasser zu werfen, denke ich: Ja, aber das passt sehr gut zu meinem Lebenslauf (dem "echten") und jede vernünftigere Entscheidung hätte vermutlich nicht meinem Wesen entsprochen. Jetzt im September finden an der Uni erst einmal nur Einführungsveranstaltungen statt und ich arbeite schon seit einer Woche die 20 Stunden. Das heißt, ich habe jetzt etwas mehr Zeit zum Bloggen (für diesen Post hier habe ich aber auch viel länger gebraucht als sonst), denn das Sommerloch ist jetzt auch endlich vorbei. Ich werde euch auf meinem Weg in den Medienberuf, der jetzt auch wieder ein Weg ist, weiterhin gerne mitnehmen und aus meinem Leben mit Studium und Job und Blog berichten.

Langfristig sind Marketingtexte im vorteilsbetonenden Werbesprech nicht das einzige, was ich mein Leben lang schreiben möchte. Vielmehr interessiere ich mich für die Wahrheit. Ich möchte das, was tatsächlich um mich herum (und auch weiter weg) passiert, zu Worten verarbeiten und sie durchs Internet jagen oder auch in ein Buch drucken lassen oder sie aussprechen. Um Botschaften zu vermitteln, brauche ich jedenfalls Medien sowie die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen. Und da die Zukunft der Medien digital ist, glaube ich, einen passenden Studiengang für meine Ziele ausgewählt zu haben.

Ganz schön viel Veränderung also bei mir – wie ist das bei dir? Lässt du dich auch gerade auf etwas Neues ein oder fährst du ganz gut mit dem, was du gerade tust? Und wie sieht es bei dir mit dem Entscheiden aus? Lass es mich wissen im Kommentarbereich! 💖

Kommentare:

  1. Dass du den Schritt gewagt hast finde ich super. Ich finde auch nicht, dass man drei Jahre in einem Beruf verbringen muss, der einem nicht komplett zusagt. Da kann man sich parallel ja auch für Dinge bewerben, die einen wirklich reizen und schauen, ob das klappt. Dass es bei dir nun mit dem Master geklappt hat freut mich sehr. Herzlichen Glückwunsch und natürlich viel Erfolg. Dass du im Unternehmen bleiben konntest finde ich wirklich super, denn du sammelst so ja weiterhin Erfahrungen in der Arbeitswelt und kannst das in der Bewerbung angeben. Ich werde ja Anfang des Jahres auch meine Fühler ausstrecken und schauen, ob ich irgendwo als Online Redakteur unterkomme, falls nicht ist bei mir aber auch der Master mit Nebenjob geplant.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Freut mich, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe ;). Diese niedliche Variante nervt mich auch am meisten. Das richtige, elegante Fabelwesen mag ich aber noch heute und hat mit dem meisten Einhörnern auf dem Markt ja nichts mehr zu tun. Also laut Experten gibt es den Einhorn Trend wohl immer dann, wenn die Welt sehr unruhig ist und es Krisen gibt. Das Einhorn dient dann als Flucht aus der Realität und ist ein Symbol, dass für diese schöne und glitzernde Fabelwelt steht in der alles gut ist.

    Ich kann der Erklärung zwar nicht zustimmen, aber bestimmt trifft das auf einige zu. Denke mal, dass jeder auch so seine eigene Flucht aus der Realität hat. Bei mir sind das ja vor allem Bücher und Serien durch die ich mal abschalten kann.

    Im Moment begegnet mit das leider immer am Bahnhoft ,da gibt es auch einen Laden der einen ganzen Tisch voller Einhorn Produkte hat.

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    1. Liebe Nicole,

      vielen Dank für Deine ganzen Worte! :) Das hört sich bei Dir aber auch nach einem guten Plan an. Diese Zeit nach dem Bachelor ist auch einfach so spannend, trotz aller Schwierigkeiten und Existenzängste, es macht trotzdem so viel Spaß, Pläne zu schmieden und die eigene Zukunft (im Rahmen der Möglichkeiten) ganz selbstständig gestalten zu dürfen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg bei Deiner Suche und bin gespannt, was Du so berichtest!

      Danke auch für die Einhorn-Erklärung. ;) Das finde ich echt interessant, dass das ein wiederkehrender Trend in Krisenzeiten ist und so... Na, vielleicht finde ich ja an der Uni irgendein seltsames Fach, in dem man sowas mal erforschen kann, das wäre doch ein tolles Hausarbeitsthema! :D Aber auf die Idee sind sicher schon andere gekommen.

      Oh ja, Bücher sind mir da auch ein lieberes Fluchtmittel als Einhörner. Obwohl ich ja dann doch am liebsten wahre Geschichten lese; aber auch die befinden sich ja oft außerhalb meiner eigenen Realität.

      Hab ein schönes Wochenende!
      Liebe Grüße,
      Lucia

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  2. Glückwunsch zum Master! Und gut, dass du dich nicht an Jahreskonventionen gehalten hast. Ich finde 3 Jahre in einem Job, der einem nicht gefällt total verrückt, ich würde in dieser Zeit völlig eingehen, oder zumindest mein kreatives Pflänzchen würde vertrocknen.
    Trotzdem finde ich das Thema extrem schwierig. Was muss man aushalten und sich gefallen lassen, um des Lebenslaufes Willen? Ich habe den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, unter anderem weil ich mit dem Druck einer Firma im Rücken sehr schlecht umgegen konnte. Doch die Frage, was kann ich aushalten, womit kann ich umgehen, bleibt bestehen.
    Viel Erfolg dir, Master und Teilzeit sind bestimmt auch nicht ohne, aber toll, dass du den Schritt gehst!

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    1. Liebe Anni,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. :) Ja, das ist wirklich nicht so einfach, vor allem, wenn man so wie ich noch ganz am Anfang steht. Aber ich denke, da ich ein Masterstudium anschließe und meinen Bachelor mit einem Wintersemester beendet habe (die meisten Studiengänge fangen ja erst im darauffolgenden Wintersemester wieder an), fügt sich das ganz gut in den Lebenslauf.
      Über die Selbstständigkeit denke ich auch schon seit einer ganzen Weile nach. Ich habe auch angefangen, mich da intensiver einzuarbeiten und zu informieren, aber ich denke, da brauche ich noch eine Weile, bis ich zu diesem Schritt bereit bin. Es wird ja damit auch nicht unbedingt einfacher, aber ich habe schon große Lust drauf, das auszuprobieren. :)

      Alles Liebe,
      Lucia

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  3. Also erstmal ein sehr cooler Beitrag. Toll dass du so offen darüber sprichst. Ich finde sowas immer total spannend. Ich bin übrigens total bei dir. Ich könnte mir nicht vorstellen in einem Job zu arbeiten, der mirnicht gefällt. Daher finde ich die Zeitangabe mit 3 Jahren doch sehr utopisch.Vor allem heutzutage, wo beruflich auch alle sehr sprunghaft sind. Daher finde ich deine Entscheidung war genau die richtige.

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

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    1. Liebe Anni Nr. 2, ;)

      danke für Deine Worte! Vielleicht hast Du recht und die Sache mit den drei Jahren ist tatsächlich einfach nicht mehr zeitgemäß. Wie auch immer – letztlich geht es ja nicht um irgendwelche Zahlen, sondern um das, was dahinter steckt, die tatsächlichen Fähigkeiten, auch wenn die in den starren Strukturen und Codes (ob nun Verhaltens- oder Dresscodes) oft untergehen. Aber ganz doof bin ich offenbar nicht, also wird das schon irgendwie weitergehen.
      Machst Du etwas, das Dir richtig Spaß macht? :)

      Liebe Grüße,
      Lucia

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