Mittwoch, 21. März 2018

Studiengang wechseln im Master: So geht's

Vor einem halben Jahr etwa berichtete ich von meiner Kündigung ‒ ich hatte meinen ersten Vollzeitjob nach rund fünf Monaten aufgegeben, um an meinen Bachelor-Abschluss doch noch ein Master-Studium zu hängen. Nun stehe ich schon wieder vor einer Veränderung: einem Studiengangwechsel. Ob ich überhaupt weiß, was ich will, fragst du dich vielleicht jetzt. Oder du befindest dich in einer ähnlichen Situation wie ich in letzter Zeit und fragst dich, wie du im Master wechseln kannst ‒ die Hochschule, den Studiengang oder beides? Lies in jedem Fall weiter, wenn du wissen möchtest, wie und warum ich diese Entscheidung getroffen habe.

Eine Brille liegt auf bedrucktem Papier, die Schrift ist nicht lesbar.
Ein Studiengangwechsel im Master ist nicht leicht, aber machbar.

Master wechseln: Gründe und Entscheidung

Den Studiengang zu wechseln ist nichts, was du mal eben machst. Vor allem, wenn das wie in meinem Fall noch mit einem Hochschulwechsel einhergeht. Ich habe mir die Entscheidung also nicht leicht gemacht. Alles fing damit an, dass ich hochmotiviert und voller Elan in mein erstes Semester im Master "Digitale Medien" startete ‒ obwohl ich dafür täglich von Berlin nach Brandenburg an der Havel pendeln musste und zugleich meinen bisherigen Job auf Werkstudentenbasis weiterführte. Ein Fach, auf das ich mich sehr gefreut hatte und das ich auch im Nachhinein als das meistbereichernde empfinde, hieß Künstlerische Forschung (den von mir betexteten Flyer zur abschließenden Ausstellung findest du hier). Der vierwöchige erste Teil einer Medientheorie-Ringvorlesung war auch sehr interessant, bot er mir doch die Möglichkeit, einen Vortrag zu einem spannenden Thema zu halten (Flusser, ein Cyborg und die Erweiterung unseres Gehirns um künstlichen Speicherplatz spielten die Hauptrollen). Da hören die für mich positiven Aspekte dieses Master-Studiengangs dann aber leider schon auf.

Ein Studiengang mit dem Namen "Digitale Medien" hat eigentlich großes Potenzial. Es gibt so viele (neue) digitale Berufe, für die bislang eher wenige entsprechende Bildungsangebote verfügbar sind. Vielleicht ist der Begriff "Digitale Medien" aber auch zu weit gefasst. Jedenfalls konnte der Studiengang trotz seiner vielversprechenden Bezeichnung meine Erwartungen nicht erfüllen. Sowohl organisatorisch als auch fachlich gab es viel Chaos und niemand schien zu wissen, welches Ziel dieses Master-Studium eigentlich verfolgen sollte. Ein großes Problem meines Jahrgangs ist dem Vernehmen nach, dass sich der Studiengang gerade im Umbruch befindet: Waren in vorigen Jahren noch Informatikkenntnisse eine wichtige Voraussetzung für die Zulassung, will sich der Studiengang nun öffnen und mit mir sind viele unterschiedliche Studierende aus allen möglichen Medienbereichen angenommen worden. Die Unterrichtsweise haben die Verantwortlichen jedoch nicht den neuen Erfordernissen angepasst und so bin ich nicht die einzige, die sich dagegen entschieden hat, weiter zu studieren.

Wie finde ich den richtigen neuen Master-Studiengang?

In ein oder zwei Jahrgängen ist diese Umbruchphase hoffentlich vorbei und klar, was der Studiengang "Digitale Medien" eigentlich will. Ich kann so lange aber natürlich nicht warten. Sobald ich also festgestellt hatte, dass ich mit meinem Master nicht glücklich werde, überlegte ich, was ich nun tun sollte. Mein Hauptziel war ja, mir mehr Wissen anzueignen und nicht unbedingt, noch mehr Praxis vermittelt zu bekommen. Mein Bachelor-Studium war sehr praktisch geprägt, zudem habe ich schon relativ viel Praktikums- und Arbeitserfahrung. Ich hätte nichts gegen ein bisschen mehr Theorie und Hintergrundwissen, eben etwas, das ich in meine (praktische) Arbeit einfließen lassen kann, das mich zur Expertin auf einem Gebiet macht.

Der erste Gedanke galt meiner eigentlichen Wunschuni. An der TU Berlin hatte ich mich zum letzten Semester schon beworben, war aber nicht genommen worden. Die Überlegung, mich dort noch einmal auf die selben Studiengänge zu bewerben, erübrigte sich, da diese zum Sommersemester nicht angeboten werden. Die kleinere Auswahl im Vergleich zum Wintersemester war auch an allen anderen Unis ein Problem. Doch nach einiger Recherche fand ich auf der recht unübersichtlichen Webseite der TU doch noch einen Studiengang, der die inzwischen verlorengegangene Motivation in mir reaktivierte. Ich stieß sogar auf einen Podcast, in dem eine Frau ziemlich genau vom Ablauf und von ihren Erfahrungen mit diesem Studium erzählte. Im Gegensatz zu einer Hochschule lassen sich die Kurse an einer Universität viel eher den eigenen Interessen entsprechend wählen und Überschneidungen mit meinen Wunschfächern aus dem letzten Jahr gibt es auch.

Da die Zukunft die Bildungsstätten erst zu erreichen scheint, wenn sie schon wieder verstaubte Vergangenheit geworden ist, werde ich ab April mein Glück mit einem Blick zurück versuchen: mit Geschichte und Kultur der Wissenschaft und Technik.


Ich an einem See, während die Sonne untergeht, über mir eine Trauerweide.
Es ist keine leichte Entscheidung, den Studiengang zu wechseln.

Angenommen: So geht der Studiengangwechsel vonstatten

Als mir also klar war, was ich wollte, schickte ich wieder einmal eine Bewerbung los. Das Verfahren über uni-assist kannte ich ja schon. Ich wusste auch, wie ewig es dauert, bis die Antwort kommt. Zwischenzeitlich fragte ich mich schon, was ich im Falle einer Absage machen würde. Das Studium abbrechen? Noch ein Semester warten und dann wechseln? Das alte Studium durchziehen? Alles schwierige Fragen. Ich wollte ja im Master weiterstudieren, an meinen Wünschen und Zielen von vor einem halben Jahr hat sich nichts geändert. Glücklicherweise wurde ich von meinen Was-wäre-wenn-Gedanken erlöst, als Ende Februar endlich die Zulassung eintrudelte. Und dann gab es keine Fragen mehr: Ich spürte deutlich die Erleichterung darüber, den chaotischen Studiengang und das nervenaufreibende Pendeln hinter mir lassen zu können. Letzteres wurde zusammen mit dem Fernbeziehungspendeln alle zwei Wochen auch einfach zu viel. 

Sobald du den Wechsel des Studiengangs oder der Hochschule mit deinem Inneren geklärt hast und die Zulassung da ist, du also keine Absage mehr zu fürchten brauchst, kannst du dich entspannen. Der Rest ist bürokratischer Papierkram und der wird dir nach all dem Emotionschaos kinderleicht vorkommen. Was die neue Uni alles an Bescheinigungen und Anträgen braucht, steht im Zulassungsbescheid. Bei der alten Hochschule habe ich die Exmatrikulation beantragt und hoffe, dass ich einen Teil meines Semesterbeitrags wiederbekomme. Denn rückmelden musste ich mich schon, bevor ich meine Zulassung hatte. Und jetzt bin ich immatrikuliert und habe meinen Studierendenausweis für die TU Berlin ‒ beim zweiten Versuch hat also doch noch geklappt, was ich mir von vornherein gewünscht hatte.

Ausblick: Wie es weiter gehen wird

Ich bin wahnsinnig froh über meine Entscheidung, den Studiengang zu wechseln und einen neuen Master anzufangen. Noch weiß ich zwar nicht, wie gut mir das neue Fach gefallen wird. Doch ich bin sehr zuversichtlich, dass es im Vergleich zur alten Hochschule besser wird und ich mich wohler fühlen werde. Ein neues Abenteuer wartet also auf mich und ich werde natürlich weiter über meinen Weg durch die Irgendwas-mit-Medien-Welt berichten.

Ich freue mich auf die Zeit, die ich gewinne, wenn ich nicht mehr pendeln muss. Die kommt auch meinen anderen Projekten zugute. Ich bin nämlich gerade dabei, mich nebenberuflich als Texterin selbstständig zu machen. Meine ersten Schritte wirst du bald auch auf meiner neuen Facebook-Seite verfolgen können. Momentan stecke ich aber noch mitten in den Arbeiten an meiner Webseite und meinen anderen Internetauftritten du hast ja vielleicht von der DSGVO gehört. Auch auf Blitzlichtglitzer wird sich einiges verändern: Ich werde den Blog innerhalb der nächsten Monate auf Wordpress umziehen. Genaueres dazu kommt aber noch.

Hast du gerade auch neue Pläne, wo doch gerade der Frühling beginnt? Oder bleibt bei dir alles beim Alten? Falls du auch den Studiengang wechseln willst oder gewechselt hast, berichte mir doch von deinen Erfahrungen! 💖

Sonntag, 25. Februar 2018

Warum der Februar mein Erfolgsmonat ist

Im Laufe der letzten Jahre habe ich festgestellt, dass der Februar zu meinen produktivsten Monaten zählt. Wichtige Entscheidungen habe ich getroffen, langgehegte Wünsche erfüllt, große Vorhaben umgesetzt ‒ alles in Februaren! Auch dieses Mal hält der zweite Monat des Jahres Großes für mich bereit. Vielleicht liegt es daran, dass im Februar der Schock über den Beginn des neuen Jahres überwunden ist, der Frühling vor der Tür steht und die guten Vorsätze ihren Weg zurück ins Gedächtnis finden. Wusstest du, dass das lateinische Wort "februare" reinigen bedeutet? Wenn das kein guter Anlass ist, alle Zweifel auszuräumen und endlich den Arsch hoch zu kriegen! Ich möchte dir heute erzählen, was ich im Februar so Produktives tue, warum er mein Erfolgsmonat ist und wie mir die 28 oder 29 Tage dabei helfen, Neues anzufangen.

Ein gelber Krokus wächst aus dem Schnee
Im Februar sprießen die ersten Frühblüher. Zeit für einen Neuanfang!


Erfolge im Februar: So erreiche ich meine Ziele

Eines der Ergebnisse meiner produktiven Februare siehst du gerade vor dir. Es ist dieser Blog! Am 13. Februar dieses Jahres durfte er seinen ersten Geburtstag feiern. Die Texte, die im Laufe dieser Zeit entstanden sind, habe ich im letzten Post noch einmal Revue passieren lassen. Mit Blitzlichtglitzer bin ich um einiges gewachsen und habe viele neue Menschen kennengelernt. Hätte ich damals im Februar nicht einfach angefangen zu bloggen, ohne zu hohe Ansprüche an mich selbst zu stellen, wäre das alles nicht passiert.

Schon lange hatte ich einen zweiten, richtig offiziellen, mit meinem Namen versehenen Blog eröffnen wollen. Doch ich hatte Angst vor der Öffentlichkeit, Angst, mit meinem eigenen Namen zu mir selbst zu stehen. Ich wollte diese Unsicherheit mit einem herausragenden Design, makellosen Texten und hochfrequentierten Social-Media-Posts kompensieren ‒ kurz: alles richtig machen. Wer Perfektion anstrebt, am liebsten noch vor dem ersten Versuch, wird vermutlich niemals anfangen. Deshalb habe ich den Februar zum Anlass genommen, einfach loszulegen. Ich wusste nämlich schon, dass dieser Monat sich bei mir gut für solche Aktionen eignet.

Februare haben mich schon des Öfteren vor Situationen gestellt, in denen ich eine Entscheidung treffen oder aktiv werden musste. Das fing schon kurz vor dem Abitur an, als ich den Vertrag für mein Bachelor-Studium unterschreiben und mich damit zum Umzug nach Berlin entschließen sollte. Ein Jahr später hatte ich einige Wochen lang keine Wohnung. Auch im Jahr darauf war ich wieder auf der Suche nach einer Bleibe und dazu noch pleite. 2016 entschied ich, mein Studium um ein Semester zu verlängern und ein zweites Praktikum zu absolvieren, nachdem ich mein erstes im Januar beendet hatte. Den ganzen Februar arbeitete ich von zu Hause aus und fand die Zeit, unter anderem ein Bett zusammen zu bauen, mein Zimmer neu zu gestalten, Frühjahrsputz zu betreiben und Freundschaften zu pflegen. Im Februar 2017 war es dann so weit und ich eröffnete in Erinnerung an die vielen unterschiedlichen Februare, deren Herausforderungen ich alle irgendwie meistern konnte meinen Blog. Außerdem ging mit dem Kolloquium mein Studium zu Ende und ich musste mich auf eine ereignisreiche Job-Suche begeben. Zu 2018 gleich mehr.

Ein blauer Schmetterling im Flug vor vorbeisausendem Hintergrund.
In meinem Erfolgsmonat kann ich richtig durchstarten!


Den Februar zum Erfolgsmonat machen (oder jeden anderen Monat)

Jedes Problem, das auftauchte, jede Herausforderung und jede schwierige Entscheidung, die der Februar in den letzten Jahren für mich bereithielt, habe ich überstanden. Das kannst du übrigens auch, egal, ob im Februar oder anderswann. Das motiviert mich jedes Mal, wenn ich zurückdenke. Und deshalb ist der Februar auch in diesem Jahr wieder mein Erfolgsmonat. Die Zeit, in der ich zu Neuem aufbreche und endlich anfange, Langersehntes wahr zu machen. Erst vor wenigen Tagen habe ich die Zulassung für einen Master-Studiengang an der TU Berlin erhalten. Damit beginne ich bald etwas Neues und erfülle mir zugleich einen Wunsch. Mehr dazu im nächsten Blog-Artikel. Außerdem habe ich in den letzten Wochen die Weichen gestellt für mein freies Texten, das ich in diesem Jahr wieder intensiv betreiben möchte. Lange habe ich mich theoretisch mit diesem Thema beschäftigt. Meine Februar-Energie nutze ich dazu, es nun auch praktisch anzugehen. Hier auf Blitzlichtglitzer erfährst du natürlich immer mal wieder, wie das so läuft und ob sich die Motivation hält.

Wie du deinen Lieblingsmonat zum Erfolgsmonat machst? Für mich funktioniert es so am besten:
  • Ich erinnere mich daran, was ich in vergangenen Jahren im Februar erreicht habe.
  • Ich sortiere meine Träume, Wünsche und Vorhaben, indem ich sie aufschreibe und mir überlege, wie ich sie verwirklichen könnte.
  • Ich hänge Zettel mit wichtigen Stichworten und motivierenden Handlungsaufforderungen an meine Pinnwand.
  • Ich lege einfach los egal, ob ich schon perfekt vorbereitet bin oder meine Idee noch lose in meinem Kopf herumschwirrt.
  • Ich lasse mir bei der Planung meiner Vorhaben von niemandem reinreden. So stelle ich sicher, dass ich wirklich mache, was ich will. Erst später hole ich mir Feedback ein und nehme konstruktive Ratschläge entgegen.

Welcher ist dein Erfolgsmonat? Hast du auch so eine Zeit, in der du besonders produktiv bist? Und was motiviert dich am meisten dazu, deine Träume zu verwirklichen? 💖

Samstag, 3. Februar 2018

Ich reflektiere meine alten Texte

Das Jahr ist nun schon einen Monat alt und ich gehe enthusiastisch die vielen neuen Pläne an, die ich für 2018 habe. Doch um Neues entstehen zu lassen, müssen wir ab und an auch zurückschauen. Schließlich sind es unsere Erfahrungen, unser Wissen und unsere bisherige Entwicklung, auf die wir uns stützen, wenn wir unsere Zukunft planen. In meinem Fall ist die Weiterentwicklung als Texterin dieses Jahr ein großes Ziel für mich. Neben dem beruflichen Schreiben bin ich seit fast einem Jahr hier auf Blitzlichtglitzer aktiv. Zeit also, meine bisherigen Blogartikel einmal zu reflektieren. Ich gehe chronologisch rückwärts vor und präsentiere Dir meine Gedanken zu folgenden Arten von Blogposts:

Buntes Konfetti neben einem Laptop und einem pinkfarbenen Notizbuch mit der Aufschrift "Amazing"
Texten macht Spaß! Doch manchmal musst Du auch auf die Schattenseiten schauen.


Der schlecht recherchierte Artikel

Im November letzten Jahres schrieb ich einen Artikel mit dem Titel Ich bin ambivertiert ‒ na und?! (falls Du ihn noch nicht kennst, empfehle ich zum besseren Verständnis, ihn erst zu lesen). Ich mag diesen Text. Er ist mir sprachlich gut gelungen. Dass er inhaltlich so einige Ungereimtheiten aufweist, wurde mir erst durch das Feedback von Peter klar. Er listete mir in einem langen und ausführlichen Kommentar all das auf, was in meinem Text seiner Ansicht nach fehlte, widersprüchlich oder ungenau ausgedrückt war. Und er hatte in vielen Punkten absolut recht ‒ inhaltlich fügte er meinen Ausführungen wichtige Details hinzu beziehungsweise korrigierte mich; bezüglich der persönlichen Meinung zum Thema stimme ich ihm nicht immer ganz zu. Um die Definition von Ambiversion also nachträglich zu ergänzen, möchte ich aus Peters Kommentar zitieren:

"Schön, daß Du so gründlich bist (es klingt immer gut, wenn das andere von einem sagen), die gesamte Oberfläche Deiner Ambiversion auszuloten. Du scheinst ja viel Talent für Sprache zu haben, aber es kann manchmal auch gut sein, einer Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Freilich, nach jedem lateinischen Schulwörterbuch bedeutet ambo=beide. Daß das ~vertiert von vertere=wenden kommt, muß man nicht eigens erwähnen, aber auf 'ambo' wollen wir mal etwas genauer schauen. Es ist nämlich gar kein lateinisches Wort, sondern aus dem Griechischen entlehnt. Da heißt es ἀμφί, das kennen wir in unserer Sprache in 'Amphitheater' oder in 'Amphibie'. Das Wundersame daran ist nun die etwas andere Bedeutung, es heißt gewissermaßen 'überall', oder etwas umständlicher umschrieben: 'um alle Seiten herum' (es meint damit eine stärker gerichtete Bewegung als das nachhomerisch häufig synonym benutzte περί, ursprünglich ein eher ungerichtetes 'drumherum'). Also ist das Amphitheater ein rundes Gebilde, in dem man von allen Plätzen aus gleichermaßen gut auf die Spielfläche sehen kann, und eine Amphibie ein Wesen, das überall (im Wasser wie an der Luft) atmen und also überall (in Meer oder See, in der Erde und auf der Erde, sogar wie ein Vogel in der Luft) zu leben vermag."

Mit dieser Erklärung werden die Schlüsse, die ich im Artikel aus der Definition von "ambivertiert" ziehe, viel sinnvoller (Peter ist in seinem Kommentar da anderer Meinung). Wenn jemand, der ambivertiert ist, überall sein kann, sich also in verschiedenen Situationen wohlfühlt, passt das ziemlich gut dazu, dass ich Ambiversion als "eine große Grauzone mit vielen Schattierungen" bezeichne ‒ so vielfältigen Schattierungen, dass sie "eigentlich ganz schön bunt" ist. Nun heißt in verschiedenen Situationen nicht überall. Jede (ambivertierte) Person ist anders. Aber theoretisch kann sie überall ihren Platz finden, nur eben nicht überall gleichzeitig. Braucht es dann noch die Bezeichnung "ambivertiert"? Vermutlich nicht. Sind nicht schon "introvertiert" und "extrovertiert" unnötige Konstrukte?

Vielleicht hat mein Text deshalb so viele Ungereimtheiten: Ich bin wohl selbst nicht ganz einverstanden mit diesen vorgefertigten Charaktertypen. Mich hat das Thema vor allem deshalb angesprochen, weil ich mich in der Vergangenheit so darüber ärgerte, als introvertiert bezeichnet zu werden. Die Idee kam nicht von mir, sondern entstammt einer Kooperationsanfrage, die mein Interesse weckte. Für Kooperationen, auch wenn sie nur unter Blogger*innen stattfinden, vereinbart man einen gewissen Rahmen für den Blogpost. Die Aufgabe, den Charaktertyp "ambivertiert" zu beschreiben, und meine persönliche Ansicht, die eher gegen derartige Schubladen spricht, korrelierten. Daraus resultiert wohl die Widersprüchlichkeit des Artikels und deshalb ist er vielleicht nicht so gründlich recherchiert ‒ ungünstig, dass ich ausgerechnet in diesem Text meine Eigenschaft, gründlich zu sein, betonte. Peter schrieb noch einen Satz, der sich für ein Resümee des Artikels gut geeignet hätte: "Die Schubladen sind nur geeignet als grobes Hilfsgerüst, um die Eindrücke von sich oder andren in eine gewisse Grundordnung zu sortieren."

Daraus lerne ich: Dass mich ein Thema interessiert und ich vermeintlich intuitiv schon einiges darüber weiß, ersetzt nicht die gründliche Recherche.

Der meistgelesene Artikel

Der meistgelesene Artikel auf meinem Blog heißt Ich habe gekündigt! Dass dieser Post häufig angeklickt werden würde, war mir von vornherein klar. Eine solche Aussage machst Du schließlich nicht jeden Tag ‒ wenn überhaupt. Vieles könnte sich hinter dieser Überschrift verbergen. Eine dramatische Geschichte oder eine Abrechnung zum Beispiel. In Wahrheit habe ich mich einfach neu orientiert, wollte mich weiterentwickeln und habe einen anderen Weg eingeschlagen. Ich finde den Text gut, weil er hilfreich ist für Menschen, die sich auch beruflich verändern möchten, Personen in meinem Alter, die mit ihrem ersten richtigen Job vielleicht noch nicht das gefunden haben, was sie sich erträumen. Ich habe einige Mühe und viel Freude in die Geschichte meiner Neuorientierung investiert.

Vor diesem Post war Menschen-Vielfalt im Supermarkt der erfolgreichste Artikel auf diesem Blog. Das Interessante daran ist: Ich habe in diesem Beitrag lediglich meine Beobachtungen in einem Supermarkt an einem Tag kurz vor Ostern aufgeschrieben. Das hat nicht lange gedauert und ich musste mir dazu auch nichts ausdenken, denn alles ist genau so passiert. Ich habe nicht viel Denkleistung in diesen Blogpost gesteckt und dennoch scheint er viele Menschen angesprochen zu haben.

Daraus lerne ich: Bis zu einem gewissen Grad kann ich beeinflussen, wie gut meine Texte ankommen werden. Doch alles lässt sich nicht planen ‒ und manchmal hält die Leser*innenschaft Überraschungen bereit.

Fehler und Schwächen einzugestehen ist eine Stärke. | Foto: hml-art

Die kaum gelesenen Artikel

Als ich darüber nachdachte, welche meiner Blogposts wohl die wenigsten Aufrufe hätten, vermutete ich, es seien die Gedichte. Nicht, weil ich sie schlecht finde, sondern weil sich Gedichte bei jüngeren Menschen leider nicht allzu großer Beliebtheit erfreuen. Zumindest nicht in der geschriebenen Form ‒ mit Poetry Slam konnte ich mich nie wirklich anfreunden. Sie gehören zwar nicht zu den meistgelesenen Beiträgen, doch ganz so schlecht, wie ich dachte, steht es um meine Gedichte nun auch wieder nicht. Meine am wenigsten gelesenen Artikel stammen aus den ersten zwei Monaten des Blogbestehens. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass Besser in Blond?! und Frühlingsgefühle auf dem Kreuzberg nicht sonderlich viele Leser*innen angezogen haben. Letzterer übrigens darf mit Würde den Titel des Posts mit den wenigsten Aufrufen tragen, denn zwischen einigen schönen Fotos befindet sich hier nur wirklich belangloser Text.

Daraus lerne ich: Es kann eine Weile dauern, bis meine Texte gelesen werden. Das Bloggen erfordert Geduld. Wenig gelesene Artikel müssen nicht zwingend schlecht sein (sind es aber manchmal). Ich kann trotzdem zu ihnen stehen und sehe sie mir später noch einmal an, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Die gelöschten Artikel

Ja, auf meinem Blog gab es einmal zwei Artikel, die heute nicht mehr da sind. Ich bin ein Fan davon, auch Beiträge, die ich nicht hundertprozentig perfekt finde, stehen zu lassen, denn "perfekt" gibt es eigentlich gar nicht. Wer weiß, wie viel hier überhaupt noch stünde, würde ich jeden Inhalt löschen, an dem es etwas zu bemängeln gäbe. Doch wenn ich mich wirklich unwohl fühle mit einem Blogpost, der auf meiner Webseite steht, öffentlich und unter meinem Namen, dann ist es richtig, ihn zu löschen. Einer der beiden Beiträge, die nicht mehr da sind, war Teil einer Blogparade. Da tat sich ein ähnliches Problem auf wie bei dem Artikel über Ambiversion. Der Post passte nicht zu mir und auch nicht zu meinem Blog. Er drehte sich um das Basteln von Osterdekoration. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch nicht ganz sicher, in welche Richtung dieser Blog sich wenden sollte, und wollte etwas ausprobieren; vermutlich etwas, das "immer gut ankommt".

Der zweite Beitrag drehte sich zwar um ein mir persönlich wichtiges Thema, doch ich bin mit der Umsetzung nicht zufrieden. Ich habe mir viel zu wenig Zeit genommen, krampfhaft versucht, den Artikel in ein "gut ankommendes" Schema zu pressen und hätte viel ausführlicher schreiben können. Zu dieser Zeit brachte ich noch einen Blogpost pro Woche heraus ‒ für hochqualitative Artikel einer Person, die Vollzeit+ anderweitig beschäftigt ist, viel zu oft.

Daraus lerne ich: Ich muss mich mit meinen veröffentlichten Texten wohlfühlen. Perfekt können sie nicht sein, doch Unbehagen sollten sie mir auch nicht bereiten. Außerdem: Qualität geht immer vor Quantität.

Reflektierst Du auch manchmal Deine Texte oder anderen kreativen Arbeiten? Welche Erkenntnisse hast Du dabei? Und welche Methoden wendest Du dazu an? Das würde mich brennend interessieren! Ich kann jedenfalls nur empfehlen, nicht zu oft, aber doch ab und an auf das Vergangene zurückzuschauen und daraus Wertvolles für die Zukunft mitzunehmen. 


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Montag, 18. Dezember 2017

Respekt an Weihnachten | Glitzerpäckchenverlosung

Die einen feiern Weihnachten, die anderen nicht. Einige tun es aus religiösen Gründen, viele auch einfach so. Manche feiern Weihnachten nicht, obwohl sie getauft sind. Wieder andere feiern etwas ganz anderes als die Geburt Jesu Christi. Selbst die Menschen, die die Heilige Nacht alljährlich zelebrieren, tun dies auf unterschiedlichste Weise, weil sie alle verschiedene Traditionen gewohnt sind. Wie viele ungleiche Weihnachten es in Deiner Stadt wohl gibt?

Pink verpackte Geschenke stehen auf dem Fensterbrett, draußen ein Tannenbaum.
Geschenkestress vs. liebevolle Aufmerksamkeit

Den Weihnachtsabend verbringen Menschen mit ihrer Familie oder mit Freund*innen oder allein. Für manche ist es ein Tag wie alle Tage, andere macht er traurig. Viele haben sich schon lange auf ihn gefreut – weil sie ihre Lieben nach langer Zeit wiedersehen, ein gedankenvolles Geschenk endlich überreichen möchten oder einfach Urlaub brauchen. Der eine findet die Abmachung, einander nichts zu schenken, insgeheim doof. Die andere fragt sich, warum sie sich den ganzen Weihnachtsstress schon wieder antut. Für die einen ist Heiligabend der Höhepunkt eines traumhaften Dezembers. Andere versetzt er in Panik. Und einigen ist er völlig gleichgültig.

Die einen gehen zu Weihnachten in die Kirche und hören klassische Weihnachtslieder. Die anderen tanzen ausgelassen zu Last Christmas und schauen Weihnachtsmann & Co. KG. Dort gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen, da ein veganes Festessen. Viele Menschen glauben, Weihnachten auf die einzig richtige Art zu feiern. Dabei gibt es so viele. Schnell wird geurteilt über jene, die es anders machen – vor allem, wenn sie die Feiertage nicht im heiligen Kreise der Familie und in unerbittlicher Stille verbringen.

Ausgerechnet Supermarkt-Werbung maßt sich immer wieder an, dieses Urteil zu verstärken. Sorgte Edeka sich im letzten Jahr noch darum, dass wir den Opa vergessen, erwartet Penny nun, dass wir uns versöhnen. Doch es gibt auch unzumutbare Familien und viele weitere Gründe, Weihnachten anders zu feiern als andere. Und auf ein Zusammentreffen mit den vermeintlichen Lieben zu verzichten.

Drei aufeinander getürmte Geschenke auf dem Fensterbrett, eingewickelt in pink glitzerndes Papier.
Mit ein bisschen Dichterglück gewinnst Du eine glitzernde Überraschung!


Zelebriere die Feiertage so wie Du willst oder gar nicht. Schenke den Menschen etwas, die Dir wirklich wichtig sind, oder schenke allen etwas oder niemandem. Besuche Familie oder Freund*innen oder tu es nicht. Bleib Deinen Traditionen treu oder probiere etwas Neues aus. Mach Dich hübsch zurecht oder bleib im Bett. Geh spazieren oder leg Dich in die Badewanne. Koche Dein Festessen selbst oder lass es jemand anderen zubereiten oder bestelle es. Hilf irgendwo ehrenamtlich aus oder lass es bleiben. Tu, was Du willst. Versöhne Dich mit Dir selbst und genieße die Zeit, die Du hast. Und respektiere die Entscheidungen Deiner Mitmenschen – zu Weihnachten und immer.

Ich mag an Weihnachten den Anlass zum Schenken. Deshalb findest Du auf meiner Facebook-Seite meine Glitzerpäckchenverlosung. Mach mit und mit etwas Glück erhältst Du eine kleine glitzernde Überraschung von mir. 🎊 Alle weiteren Bedingungen findest Du in meinem Facebook-Gewinnspiel-Post. Und was magst Du an Weihnachten/den Feiertagen/dem Jahreswechsel? Wie verbringst Du die freie Zeit?

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Sonntag, 26. November 2017

Ich bin ambivertiert. Na und?! – #Soulcarespecial

Bin ich eigentlich introvertiert oder extrovertiert? Bestimmt hast du dir diese Frage schon einmal gestellt und versucht, dich in eine der beiden Kategorien einzuordnen. Aber wusstest du eigentlich, dass man auch ambivertiert sein kann? In meinem Teil des #Soulcarespecial von Kisudoesstuff erfährst du, was ambivertiert bedeutet und warum du dich für deine Wesensart nicht zu schämen brauchst!

Ich bin ambivertiert... NA UND?
Bist du auch ein Pinguin? Oder eher eine Eule (introvertiert) oder eine Krähe (extrovertiert)?


"Du musst einfach extrovertierter werden", sagte, nicht ohne einen Hauch von Verzweiflung in der Stimme, mein Klassenlehrer zum gefühlt einhundertsten Mal zu mir. Er  aus heutiger Sicht  selbst eher von der introvertierten Sorte. Ich hatte keine Ahnung, was genau beide Worte bedeuteten. Ich wusste nur: Extrovertiert = gut. Ich, seiner Meinung nach introvertiert = schlecht. Davon abgesehen, dass mir diese Aussage suggerierte, ich sei schlecht, war ich mit dieser Bewertung meiner Persönlichkeit nicht einverstanden. Attribute wie "passiv, schüchtern und reserviert" passten mir so gar nicht. Ich bin zwar auch kein Social Butterfly, keine nervige Labertasche, kann gut und gerne Zeit allein verbringen. Aber ein Mauerblümchen, jemand, der sich verstecken und mit niemandem etwas zu tun haben will, eine Einzelgängerin bin ich nicht. Ich stand als Kind und Jugendliche schon ständig musikalisch auf der Bühne, halte gerne Vorträge und werfe mich dem Internet zum Fraß vor... Geht das überhaupt, wenn man nicht extrovertiert ist?

Ambivertiert... Was ist das denn?

Als Kisu mich gefragt hat, ob ich an ihrem #Soulcarespecial teilnehmen möchte, habe ich ein neues Wort gelernt: ambivertiert. Was das ist? Ambiversion ist eine große Grauzone mit vielen Schattierungen, die sich zwischen den beiden Extremen introvertiert und extrovertiert befindet. So einfach, wie es sich Schwarz-und-Weiß-Denker wie mein Klassenlehrer gerne machen, ist es nämlich nicht: Kaum ein Mensch ist tatsächlich nur das eine oder das andere.

Schauen wir uns die jeweiligen Merkmale einmal genauer an, stellen wir fest, dass die Vorstellung einer Welt, in der alle Menschen auf diese beiden Schubladen verteilt sind, nicht sonderlich sympathisch erscheint. Extrovertierten wird nachgesagt, sie seien laut, künstlich, raumeinnehmend, smalltalk-begabt, egoistisch und sie kämen mit ihrer Einstellung auch noch hervorragend durchs Leben. Introvertierte hingegen haben den Ruf, ein zurückgezogenes Leben zu führen, Kontakte zu (verab-)scheuen, nie etwas zu sagen und keine eigene Meinung zu haben, obwohl sie den ganzen Tag lang grübeln  was ihrem Erfolg im Leben nicht gerade zugute kommt.

Jetzt habe ich natürlich die negativen Aspekte besonders hervorgehoben. Dabei lassen sich die kontaktfreudigen, durchsetzungsstarken Extrovertierten noch durchaus einfach positiv beschreiben, während die introvertierten Eigenbrötler es schwerer haben. Deshalb auch die häufige Einteilung in gut (extrovertiert) und schlecht (introvertiert). Völliger Unsinn, wenn du mich fragst, und zum Glück weichen diese Stereotype inzwischen schon immer mehr auf.

Ambiversion irgendwas dazwischen

Das Wort ambivertiert kommt von lat. ambo = beide. Das heißt, ambivertiert zu sein, bedeutet eigentlich nicht, zwischen den Stühlen zu sitzen, sondern sowohl introvertierte als auch extrovertierte Merkmale in der eigenen Persönlichkeit zu vereinen. Ambiversion lässt sich nicht eindeutig definieren. Ob du eher in Richtung extrovertiert oder introvertiert tendierst oder dich genau in der Mitte befindest und welche Merkmale beider Zustände im Speziellen auf dich zutreffen, hängt ganz von deinem individuellen Wesen ab. Das sind die vielfältigen Schattierungen unserer Grauzone, die sie eigentlich ganz schön bunt machen.

Ambivertiert zu sein, kann viele Vorteile haben – abhängig davon, welche Eigenschaften des introvertierten und des extrovertierten Typs du vereinst. So profitierst du beispielsweise gleichermaßen von deiner Freude an Smalltalk und dem Knüpfen neuer Kontakte sowie deiner Fähigkeit, gut zuzuhören und Sachverhalte klug zu durchdenken, bevor du eine Entscheidung triffst. Außerdem kannst du deine Energie womöglich aus verschiedenen Quellen schöpfen: Allein bei einem guten Buch oder einer spannenden Serie entspannst du dich genauso gern wie an einem geselligen Abend mit deinen Freunden.

Ich schaue hinter einem Baum hervor
Ich bin ambivertiert! Mal mehr, mal weniger gesprächig.

Warum ich ambivertiert bin

Kisu kam auf mich zu mit der Anfrage, ob ich einen Blogpost über die Charaktereigenschaft schreiben könnte, die aus den Optionen intro-, extro- und ambivertiert am ehesten auf mich zutrifft. Gegen das introvertierte Extrem habe ich mich stets gewehrt, weil es meiner Ansicht nach nicht auf mich zutrifft. Steht als Alternative nur noch extrovertiert zur Wahl, kann ich jedoch nachvollziehen, dass andere mich eher der Kategorie introvertiert zuordnen würden. Abgesehen davon, dass es nicht den anderen obliegt, meine Persönlichkeit zu beurteilen, möchte ich zum Schluss noch erläutern, warum ich mich mit der Ambiversion inzwischen am besten identifizieren kann.

Wie sehr ich das Alleinsein schätze, wird mir besonders bewusst, seit mein Leben zwischen Arbeit (Kolleg*innen), Uni (Kommiliton*innen) und Fernbeziehung (Freundin) rotiert. Alle zwei Wochen einen oder zwei Tage ganz mit mir allein zu verbringen, das finde ich wunderbar. Wenn ich nicht jede Minute von Menschen umgeben bin, genieße ich es viel mehr, mich mit Freund*innen, die mir wirklich wichtig sind, zu treffen und zu unterhalten. Ebenso spannend finde ich es, neue Leute kennenzulernen und mir ihre Geschichten anzuhören. Ich rede gerne – deshalb gehe ich lieber in Cafés, Bars oder auf WG-Partys und meide vollgestopfte Clubs, in denen es so laut ist, dass schon das Bestellen eines Getränks kaum möglich ist.

Es gibt Tage, Situationen und Uhrzeiten, zu denen meine Worte rar gesät sind. Ich nenne das Energiesparmodus. Manchmal gehe ich belanglosem Smalltalk oder uninteressanten Gesprächen bewusst aus dem Weg – weil es sich nicht lohnt oder ich schlicht keine Lust habe, Energie darin zu investieren. Weil ich ein Morgenmuffel bin, lernen mich Arbeitskolleg*innen und Kommiliton*innen leider häufig zunächst von dieser Seite kennen – und bilden sich ein vorschnelles Urteil. Dann drehen sie sich überrascht und erschrocken zu mir um, wenn ich plötzlich ausspreche, was alle denken und niemand zu sagen wagt. Wenn mir etwas wirklich wichtig ist, positioniere ich mich dazu und riskiere auch mal einen verärgerten Professor und in der Folge schlechte Noten.

Erst kürzlich sagte mir jemand, ich sei gründlich. Damit ist garantiert nicht meine Ordnungsliebe im Haushalt gemeint – hier herrscht ganz extrovertiertes Chaos. Vielmehr ging es um die Tatsache, dass ich viel nachdenke, recherchiere und analysiere, bevor ich mich zu etwas äußere. Ich würde mir nie eine abschließende Meinung bilden über einen Sachverhalt, von dem ich überhaupt keine Ahnung habe. Das ist zumindest mein Anspruch. Und für genau solche Grübeleien brauche ich die Kraft, die ich mir durch den Energiesparmodus aufhebe.

Ambivertiert. Na und? Sei, wie du bist!

Als mich mein Lehrer ansprach, da war ich nicht introvertiert. Da hatte ich zwar Probleme zu Hause und gehörte nicht gerade zu den Beliebtesten meiner Klasse. Der Rat, einfach extrovertiert zu werden, war jedoch fehl am Platz. Er sollte eine Antwort auf meine Sorgen sein. Mal eben deine Persönlichkeit zu wechseln, ist eine wenig lösungsorientierte Empfehlung – es ist nämlich gar nicht möglich. Du kannst nicht jemand anders sein. Und das musst du auch nicht. Egal, ob du intro-, extro- oder ambivertiert bist oder du dich keiner dieser Kategorien zuordnen möchtest: Du bist gut so, wie du bist. Jede Charaktereigenschaft hat ihre Berechtigung, jede Persönlichkeit ihre Stärken und Schwächen. Verabschiede dich vom Schubladendenken und mache dir die Vielfältigkeit deiner Mitmenschen bewusst!

Welcher Kategorie würdest du dich zuordnen? Bist du introvertiert, extrovertiert oder ambivertiert? Lass es uns wissen unter dem Hashtag #Soulcarespecial oder schreibe selbst einen Blogbeitrag zu diesem Thema – und vergiss nicht, auch bei Kisudoesstuff vorbeizuschauen! 

Sonntag, 22. Oktober 2017

"Herbstliebe" und andere ‒ Gedichte im Herbst

Unaufhaltsam ist Herbst geworden. Wie immer bedeutet eine neue Jahreszeit bei Blitzlichtglitzer auch einen neuen Blogpost mit saisonalen Gedichten. Der Herbst ist offenbar nicht meine geistreichste Zeit, was Poesie betrifft, denn ich konnte nur wenige Werke finden, die ich tatsächlich im Herbst verfasst habe. Deshalb gibt es zuerst ein ganz aktuelles ‒ von heute! ‒, danach ein ganz altes und zum Schluss eines, das, nunja, nicht ganz im Herbst entstanden ist. Viel Spaß beim Lesen! 😉

Lucia im Porträt verschmitzt lächelnd
herbstverliebt | Foto: hml-art


Herbstliebe


Ein müdes Blatt stürzt sich vom Baum
Und flattert lose durch den Raum,
Fällt hinab zur braunen Erde,
Auf dass es eins mit ihr werde.

Unterm Baum, da stehen du und ich.
Du fängst das Blatt. Für mich.
Ich hab dir eine Kastanie geschenkt.
Du hast sie in deiner Jackentasche versenkt.

Wir gehen still und Hand in Hand –
Mal guckt einer blöd, mal starrt er unverwandt.
Vorhin hast du mir einen Kuss gegeben.
Deine rotblonde Haarsträhne blieb an meinen Lippen kleben.

Jetzt sehe ich dich an.
Du grinst dann...

Noch sind nicht alle Blätter unten.
Vor allem nicht die schönen bunten.
Fangen wir sie alle auf!
Bauen einen Laubhaufen und schlafen drauf,
Bis dann der Frühling ganz sacht
Mit uns beiden zusammen erwacht.

(22. Oktober 2017)


Rabentod


Hoch oben am Himmel
Flog durch das Gewimmel
Von Wolken ein Rabe,
Auf dass er sich labe
An südlicher Luft
Und atme den süßlichen Duft,
Den die Blüten versprühten,
Des Abends, als noch alle sich mühten,
Zu verdienen ihr tägliches Brot.

Plötzlich traf ihn eine Ladung Schrot.
So starb nun im Abendrot
Der Rabe seinen Rabentod.

(26. Oktober 2008)



Leben


Das Leben, es geht weiter.
Immer und immer.
Gnadenlos.
Zu Ende.

(03. April 2015)

Ein See, der die Abendsonne spiegelt.
Rabentod im Abendrot


Ich hoffe, dir sind beim Lesen ein paar schöne Herbstbilder und -erinnerungen durch den Kopf gegangen. Was liebst du am Herbst? Schreib es mir doch in die Kommentare! 💖



Samstag, 7. Oktober 2017

Von Pendlerstress und Stürmen

Angefangene Blogposts sammeln sich in meiner Entwurfsliste. Warum sie nicht fertig werden? Tja. Manchmal schreibe ich im Zug ein paar Zeilen. Dann stelle ich fest, dass das Thema zu komplex ist, um damit so bald wie möglich fertig zu werden. Oder mir gefällt der Entwurf gar nicht mehr, an dem ich gerade arbeite, weil das Thema zwar leichtgängig ist, aber mich selbst nicht richtig überzeugt. Gute Blogposts brauchen Zeit. Und Zeit, die fehlt mir momentan. Ihr wisst ja, ich habe meinen Job gekündigt, fange gerade an, meinen Master in Brandenburg zu studieren, und arbeite währenddessen noch in Berlin.

Hohes Gras vor bewölktem Himmel
Ein Sturm kommt auf...

Mit dem Sturm raus aus der Komfortzone

Da ist mein Pendlerleben gerade mal zwei Wochen alt und es kommt dieser schlimme Sturm auf, der mich mehr als 24 Stunden in der kleinen Stadt Brandenburg festsitzen lässt. Ich fahre am Donnerstag Abend kurz mit der Straßenbahn zum Bahnhof, um nachzusehen, ob vielleicht doch noch ein Zug nach Berlin, nach Hause fährt. Ich spreche ein fremdes Paar an, was ich sonst nie tun würde, und erfahre, dass der anwesende Zug dort schon seit nachmittags um vier herumsteht. Seltsam, wie sich die sozialen Interaktionen in einer Krisensituation verändern. Ich rufe also meine Kommilitonin an, die mir extra für diesen Fall ihre Nummer gegeben hat, und frage, ob ich bei ihr in der WG übernachten kann. Es bleibt keine Zeit zu zögern; schließlich habe ich gerade keine andere Möglichkeit, als dieses freundliche Angebot anzunehmen. Gerne, sagt sie und fragt mich, was ich essen will.

Ich verbringe den Donnerstagabend also mit zwei Frauen, die ich erst seit einer Woche kenne, während andere Menschen in Zügen übernachten oder von Bäumen erschlagen werden. Wir kochen und essen, unterhalten uns über das bevorstehende Studium und unsere bisherigen Leben. Beim ersten Kennenlernen gewann ich noch den Eindruck, die beiden müssten zu denen gehören, die in der Schule der Kategorie der "Coolen" zugeordnet worden wären ‒ also weit, weit über mir stehen. Aber wir sind nicht mehr in der Schule. Ich berichtige das "Wo wohnt dein Freund?" in "Freundin" und niemand wundert sich. Eine seltene Überraschung, mein bisheriges Leben betrachtend. Eine Tasse wird zum Kontaktlinsenbehälter umfunktioniert, ich bekomme nach Waschmittel duftende Klamotten und muss ohne Zähneputzen ins Bett.

Der Tag nach dem Sturm

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, um bei der Arbeit anzurufen. Bis zum Mittag soll die Bahnstrecke noch gesperrt sein. Statt (viel) später mit der Arbeit anzufangen, entschließe ich mich dazu, einen Urlaubstag zu vergeuden, denn ich brauche das Geld. Gut so: Je weiter der Tag fortschreitet, desto weiter rückt auch der Zeitpunkt in die Ferne, an dem die Züge voraussichtlich wieder fahren sollen. Den Großteil des Tages verbringe ich damit, nach einer Möglichkeit zu suchen, die mich nach Hause bringen kann. Irgendwann wird es mir zu langweilig, mit anderen Gestrandeten in der Bibliothek zu hocken. Draußen scheint jetzt wieder die Sonne. Absperrband flattert rund um die lädierten Bäume auf dem Campus. Ich spaziere durch die Stadt, kaufe mir im Supermarkt etwas zu essen und stelle fest, dass es verschimmelt ist. Es fängt an, große, platschende Tropfen zu regnen. Der Zug von gestern steht immer noch am Bahnhof, doch Rettung naht. Wahrscheinlich säße ich heute immer noch in Brandenburg, wäre nicht jemand extra mit dem Auto von Berlin gekommen, um mich abzuholen.

Ich war gar nicht so weit entfernt von zu Hause wie viele andere ‒ und doch kam ich nicht vom Fleck. Ich war ohne Zahnbürste und ohne WLAN gestrandet; naja, es gibt Schlimmeres. Aber es zeigt, wie wichtig und bereichernd Mobilität und (Online)-Kommunikation sind. Ohne letztere hätte mir gestern womöglich auch noch der Schlafplatz gefehlt. Obwohl der Freitag für mich ein eher leerer Tag gewesen ist, war die Erfahrung lehrreich. Genauso wie kein Geld zu haben mir beigebracht hat, mit Geld umzugehen!

Während die Züge still stehen und Menschen einander helfen, geht es auf Twitter rund. Das Nachwehen, sozusagen. Sieben Tote, denke ich, das hört man so oft, dass es gar nicht wirklich ankommt. Aber das Twitter-Profil einer plötzlich toten Person, die vor zwei Tagen noch gezwitschert hat, anzusehen, ist schon unheimlich. Mitten im Leben einfach so vom Tod aus dem Alltag gerissen zu werden, gruselige Vorstellung. Mein Verhältnis zum Sterben scheint nicht das gesündeste zu sein, aber bei wem ist das schon anders? Ich sollte einen Blogpost über den Tod schreiben...

Regebogen über einer regennassen Straße nach Gewitter
Nach dem Sturm gibt's immerhin einen Regenbogen.

Ich stürme ins Pendlerleben

So startet also mein neuer Lebensabschnitt ‒ stürmisch. Und jetzt bin ich froh, mein Wochenende zu Hause ohne Blogpost-Ideendruck verbringen zu können. Denn wenn ich mal was erlebe, schreibt sich der passende Artikel wie von selbst. Wenn hier also nichts neues zu lesen ist, erlebe ich entweder nichts oder ich bin gerade mitten drin im Erlebnis. Den ein oder anderen Entwurf habe ich aber noch in petto, der Post über den Tod kommt bestimmt und für nächstes Wochenende habe ich mir schon die nächste Herausforderung vorgenommen. Bald kommen wieder "Gedichte im Herbst" und ein neuer Teil von Ich und die Medien. Also dran bleiben und auf der Blitzlichtglitzer-Facebookseite immer als erstes informiert werden, wenn es neues Lesefutter gibt!

Ich hoffe, ihr alle habt das stürmische Wetter gut überstanden und genießt ein wunderbares Wochenende! 💖💖💖