Samstag, 3. Februar 2018

Ich reflektiere meine alten Texte

Das Jahr ist nun schon einen Monat alt und ich gehe enthusiastisch die vielen neuen Pläne an, die ich für 2018 habe. Doch um Neues entstehen zu lassen, müssen wir ab und an auch zurückschauen. Schließlich sind es unsere Erfahrungen, unser Wissen und unsere bisherige Entwicklung, auf die wir uns stützen, wenn wir unsere Zukunft planen. In meinem Fall ist die Weiterentwicklung als Texterin dieses Jahr ein großes Ziel für mich. Neben dem beruflichen Schreiben bin ich seit fast einem Jahr hier auf Blitzlichtglitzer aktiv. Zeit also, meine bisherigen Blogartikel einmal zu reflektieren. Ich gehe chronologisch rückwärts vor und präsentiere Dir meine Gedanken zu folgenden Arten von Blogposts:

Buntes Konfetti neben einem Laptop und einem pinkfarbenen Notizbuch mit der Aufschrift "Amazing"
Texten macht Spaß! Doch manchmal musst Du auch auf die Schattenseiten schauen.


Der schlecht recherchierte Artikel

Im November letzten Jahres schrieb ich einen Artikel mit dem Titel Ich bin ambivertiert ‒ na und?! (falls Du ihn noch nicht kennst, empfehle ich zum besseren Verständnis, ihn erst zu lesen). Ich mag diesen Text. Er ist mir sprachlich gut gelungen. Dass er inhaltlich so einige Ungereimtheiten aufweist, wurde mir erst durch das Feedback von Peter klar. Er listete mir in einem langen und ausführlichen Kommentar all das auf, was in meinem Text seiner Ansicht nach fehlte, widersprüchlich oder ungenau ausgedrückt war. Und er hatte in vielen Punkten absolut recht ‒ inhaltlich fügte er meinen Ausführungen wichtige Details hinzu beziehungsweise korrigierte mich; bezüglich der persönlichen Meinung zum Thema stimme ich ihm nicht immer ganz zu. Um die Definition von Ambiversion also nachträglich zu ergänzen, möchte ich aus Peters Kommentar zitieren:

"Schön, daß Du so gründlich bist (es klingt immer gut, wenn das andere von einem sagen), die gesamte Oberfläche Deiner Ambiversion auszuloten. Du scheinst ja viel Talent für Sprache zu haben, aber es kann manchmal auch gut sein, einer Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Freilich, nach jedem lateinischen Schulwörterbuch bedeutet ambo=beide. Daß das ~vertiert von vertere=wenden kommt, muß man nicht eigens erwähnen, aber auf 'ambo' wollen wir mal etwas genauer schauen. Es ist nämlich gar kein lateinisches Wort, sondern aus dem Griechischen entlehnt. Da heißt es ἀμφί, das kennen wir in unserer Sprache in 'Amphitheater' oder in 'Amphibie'. Das Wundersame daran ist nun die etwas andere Bedeutung, es heißt gewissermaßen 'überall', oder etwas umständlicher umschrieben: 'um alle Seiten herum' (es meint damit eine stärker gerichtete Bewegung als das nachhomerisch häufig synonym benutzte περί, ursprünglich ein eher ungerichtetes 'drumherum'). Also ist das Amphitheater ein rundes Gebilde, in dem man von allen Plätzen aus gleichermaßen gut auf die Spielfläche sehen kann, und eine Amphibie ein Wesen, das überall (im Wasser wie an der Luft) atmen und also überall (in Meer oder See, in der Erde und auf der Erde, sogar wie ein Vogel in der Luft) zu leben vermag."

Mit dieser Erklärung werden die Schlüsse, die ich im Artikel aus der Definition von "ambivertiert" ziehe, viel sinnvoller (Peter ist in seinem Kommentar da anderer Meinung). Wenn jemand, der ambivertiert ist, überall sein kann, sich also in verschiedenen Situationen wohlfühlt, passt das ziemlich gut dazu, dass ich Ambiversion als "eine große Grauzone mit vielen Schattierungen" bezeichne ‒ so vielfältigen Schattierungen, dass sie "eigentlich ganz schön bunt" ist. Nun heißt in verschiedenen Situationen nicht überall. Jede (ambivertierte) Person ist anders. Aber theoretisch kann sie überall ihren Platz finden, nur eben nicht überall gleichzeitig. Braucht es dann noch die Bezeichnung "ambivertiert"? Vermutlich nicht. Sind nicht schon "introvertiert" und "extrovertiert" unnötige Konstrukte?

Vielleicht hat mein Text deshalb so viele Ungereimtheiten: Ich bin wohl selbst nicht ganz einverstanden mit diesen vorgefertigten Charaktertypen. Mich hat das Thema vor allem deshalb angesprochen, weil ich mich in der Vergangenheit so darüber ärgerte, als introvertiert bezeichnet zu werden. Die Idee kam nicht von mir, sondern entstammt einer Kooperationsanfrage, die mein Interesse weckte. Für Kooperationen, auch wenn sie nur unter Blogger*innen stattfinden, vereinbart man einen gewissen Rahmen für den Blogpost. Die Aufgabe, den Charaktertyp "ambivertiert" zu beschreiben, und meine persönliche Ansicht, die eher gegen derartige Schubladen spricht, korrelierten. Daraus resultiert wohl die Widersprüchlichkeit des Artikels und deshalb ist er vielleicht nicht so gründlich recherchiert ‒ ungünstig, dass ich ausgerechnet in diesem Text meine Eigenschaft, gründlich zu sein, betonte. Peter schrieb noch einen Satz, der sich für ein Resümee des Artikels gut geeignet hätte: "Die Schubladen sind nur geeignet als grobes Hilfsgerüst, um die Eindrücke von sich oder andren in eine gewisse Grundordnung zu sortieren."

Daraus lerne ich: Dass mich ein Thema interessiert und ich vermeintlich intuitiv schon einiges darüber weiß, ersetzt nicht die gründliche Recherche.

Der meistgelesene Artikel

Der meistgelesene Artikel auf meinem Blog heißt Ich habe gekündigt! Dass dieser Post häufig angeklickt werden würde, war mir von vornherein klar. Eine solche Aussage machst Du schließlich nicht jeden Tag ‒ wenn überhaupt. Vieles könnte sich hinter dieser Überschrift verbergen. Eine dramatische Geschichte oder eine Abrechnung zum Beispiel. In Wahrheit habe ich mich einfach neu orientiert, wollte mich weiterentwickeln und habe einen anderen Weg eingeschlagen. Ich finde den Text gut, weil er hilfreich ist für Menschen, die sich auch beruflich verändern möchten, Personen in meinem Alter, die mit ihrem ersten richtigen Job vielleicht noch nicht das gefunden haben, was sie sich erträumen. Ich habe einige Mühe und viel Freude in die Geschichte meiner Neuorientierung investiert.

Vor diesem Post war Menschen-Vielfalt im Supermarkt der erfolgreichste Artikel auf diesem Blog. Das Interessante daran ist: Ich habe in diesem Beitrag lediglich meine Beobachtungen in einem Supermarkt an einem Tag kurz vor Ostern aufgeschrieben. Das hat nicht lange gedauert und ich musste mir dazu auch nichts ausdenken, denn alles ist genau so passiert. Ich habe nicht viel Denkleistung in diesen Blogpost gesteckt und dennoch scheint er viele Menschen angesprochen zu haben.

Daraus lerne ich: Bis zu einem gewissen Grad kann ich beeinflussen, wie gut meine Texte ankommen werden. Doch alles lässt sich nicht planen ‒ und manchmal hält die Leser*innenschaft Überraschungen bereit.

Fehler und Schwächen einzugestehen ist eine Stärke. | Foto: hml-art

Die kaum gelesenen Artikel

Als ich darüber nachdachte, welche meiner Blogposts wohl die wenigsten Aufrufe hätten, vermutete ich, es seien die Gedichte. Nicht, weil ich sie schlecht finde, sondern weil sich Gedichte bei jüngeren Menschen leider nicht allzu großer Beliebtheit erfreuen. Zumindest nicht in der geschriebenen Form ‒ mit Poetry Slam konnte ich mich nie wirklich anfreunden. Sie gehören zwar nicht zu den meistgelesenen Beiträgen, doch ganz so schlecht, wie ich dachte, steht es um meine Gedichte nun auch wieder nicht. Meine am wenigsten gelesenen Artikel stammen aus den ersten zwei Monaten des Blogbestehens. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass Besser in Blond?! und Frühlingsgefühle auf dem Kreuzberg nicht sonderlich viele Leser*innen angezogen haben. Letzterer übrigens darf mit Würde den Titel des Posts mit den wenigsten Aufrufen tragen, denn zwischen einigen schönen Fotos befindet sich hier nur wirklich belangloser Text.

Daraus lerne ich: Es kann eine Weile dauern, bis meine Texte gelesen werden. Das Bloggen erfordert Geduld. Wenig gelesene Artikel müssen nicht zwingend schlecht sein (sind es aber manchmal). Ich kann trotzdem zu ihnen stehen und sehe sie mir später noch einmal an, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Die gelöschten Artikel

Ja, auf meinem Blog gab es einmal zwei Artikel, die heute nicht mehr da sind. Ich bin ein Fan davon, auch Beiträge, die ich nicht hundertprozentig perfekt finde, stehen zu lassen, denn "perfekt" gibt es eigentlich gar nicht. Wer weiß, wie viel hier überhaupt noch stünde, würde ich jeden Inhalt löschen, an dem es etwas zu bemängeln gäbe. Doch wenn ich mich wirklich unwohl fühle mit einem Blogpost, der auf meiner Webseite steht, öffentlich und unter meinem Namen, dann ist es richtig, ihn zu löschen. Einer der beiden Beiträge, die nicht mehr da sind, war Teil einer Blogparade. Da tat sich ein ähnliches Problem auf wie bei dem Artikel über Ambiversion. Der Post passte nicht zu mir und auch nicht zu meinem Blog. Er drehte sich um das Basteln von Osterdekoration. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch nicht ganz sicher, in welche Richtung dieser Blog sich wenden sollte, und wollte etwas ausprobieren; vermutlich etwas, das "immer gut ankommt".

Der zweite Beitrag drehte sich zwar um ein mir persönlich wichtiges Thema, doch ich bin mit der Umsetzung nicht zufrieden. Ich habe mir viel zu wenig Zeit genommen, krampfhaft versucht, den Artikel in ein "gut ankommendes" Schema zu pressen und hätte viel ausführlicher schreiben können. Zu dieser Zeit brachte ich noch einen Blogpost pro Woche heraus ‒ für hochqualitative Artikel einer Person, die Vollzeit+ anderweitig beschäftigt ist, viel zu oft.

Daraus lerne ich: Ich muss mich mit meinen veröffentlichten Texten wohlfühlen. Perfekt können sie nicht sein, doch Unbehagen sollten sie mir auch nicht bereiten. Außerdem: Qualität geht immer vor Quantität.

Reflektierst Du auch manchmal Deine Texte oder anderen kreativen Arbeiten? Welche Erkenntnisse hast Du dabei? Und welche Methoden wendest Du dazu an? Das würde mich brennend interessieren! Ich kann jedenfalls nur empfehlen, nicht zu oft, aber doch ab und an auf das Vergangene zurückzuschauen und daraus Wertvolles für die Zukunft mitzunehmen. 


💖💖💖

Kommentare:

  1. "Ich habe nicht viel Denkleistung in diesen Blogpost gesteckt und dennoch scheint er viele Menschen angesprochen zu haben." Da musste ich schmunzeln :-D Gut, es mag sein, dass andere Posts (mehr) Recherche erfordern, eine gründlichere Struktur/Gliederung aufweisen müssen und der/die Autor*in mehr Puzzlearbeit bewältigen muss usw., aber einen Text mitreißend und klar zu formulieren - für mich ist das durchaus auch eine Denkleistung. Ich glaube es kann allerdings sein, dass dieser Text aufgrund des Stils am meisten Emotionen hervorruft und deshalb vielleicht so gut ankam. Wäre interessant zu wissen, wie nun dieser Post hier ankommt :-D Ich mag jedenfalls die Idee des Reflexions-Post und finde es grundsätzlich sympathisch, wenn jemand sich auf diese Weise öffentlich und unbeschönigend (ja, das Wort existiert vermutlich nicht) "in die Mangel" nimmt. :)

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    1. Dankeschön für dein Feedback. Zum Denken hat mich das beschriebene Ereignis vermutlich doch gebracht, sonst hätte ich nicht darüber geschrieben. Aber ja, Recherche, Gliederung, Planung oder die Frage, was genau ich schreiben wollte, fielen bei diesem Post weg.
      Der hier? Nun ja, er gehört noch nicht zu den meistgelesenen und -kommentierten, aber das ändert sich hoffentlich noch. ;) Reflektieren finde ich jedenfalls immer gut, mindestens für einen selbst. :)

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