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Hürden auf dem Weg ins duale Studium – Gastbeitrag

Posted in Studium & Beruf

Porträt von Verena
Verena ist 21 und studiert bald im Master Kommunikationsmangement. Foto: Verena Anthes

Hier liest du den ersten Gastbeitrag auf Blitzlichtglitzer geschrieben von Verena Anthes! Verena ist 21, arbeitet in einer PR-Agentur und wollte ihren Master eigentlich dual studieren. Warum das für sie aber gar nicht so einfach war und wie sie einen Studiengang gefunden hat, der sich mit ihrem Job vereinbaren lässt, liest du in ihrem Artikel. Mehr über Verena erfährst du auf https://fineskill.wordpress.com/, wo sie über ihren Beruf und ihr Studium sowie über Bücher, Filme, Serien und Spiele bloggt.

Mein Bachelor in Angewandte Medien

Die Zahl der Studierenden ist in den letzten zehn Jahren fast um eine Million gestiegen, oder anders gesagt: 2008 gab es fast ein Drittel weniger Studierende als heute. Universitäten und Hochschulen werden also statistisch gesehen immer beliebter. Doch das sind eben nur Zahlen. Dass es eigentlich echt schwer ist, ein Studium zu finanzieren, wissen nur jene, die es wirklich betrifft.

Inzwischen ist es nicht mehr so, dass nur die studieren können, deren Eltern auch Akademiker sind und Geld haben. Dennoch ist es auch heute noch eine Herausforderung, einen Studienabschluss zu bekommen, wenn die Eltern aus der „Arbeiterschicht“ kommen. Meine Eltern sind beide keine Akademiker und doch haben sie alles dafür getan, dass ich studieren kann. An einer Privathochschule! Denn Medien kann man in Frankfurt am Main nicht gut studieren. In der Metropole dreht sich alles nur um die Wirtschaft und natürlich um Banken. Dennoch habe ich direkt nach dem Abi mein Studium begonnen: Bachelor of Arts in „applied media“ (Angewandte Medien) sollte es werden. Warum? Weil Kommunikation eines der Themen ist, für die ich mich am meisten interessiere. Ich hatte auch viele andere Ideen dafür, was ich später beruflich machen wollte: Ein Biologie-Studium bot schlichtweg zu wenig Karrierechancen. Für Jura waren meine Noten zu schlecht. Und Veterinärmedizin – naja, ich kann kein Blut sehen. Die Entscheidung fiel spontan – im Sommer 2014.

Studium und Beruf – geht das?

Zwischen dem dritten und vierten Semester habe ich mir eine Praktikumsstelle gesucht, nachdem ich zuvor in den kurzen Osterferien schon zwei Wochen bei einer regionalen Zeitung gearbeitet hatte. Drei Monate PR-Agentur hatte ich nun vor mir und danach sollte es direkt zurück ins Vollzeit-Studium gehen. Zu Beginn war es meine Aufgabe, die sozialen Kanäle der Marke aufzubauen. Schließlich durfte ich während der IAA – der internationalen Automobilausstellung in Frankfurt, eine der wichtigsten Messen der Automobilbranche – Beiträge schneiden. Und nach den drei Monaten blieb ich. Zur Freude meines Chefs, zum Leidwesen meiner Eltern.

Ich war jeden Tag von 9 bis 16 Uhr in der Uni, plus fast zwei Stunden Fahrtzeit mit der Bahn pro Strecke. Einen Tag oder auch einen halben einfach nicht in die Hochschule zu gehen, war nur schwer möglich. Wir mussten in jedem Kurs 80 Prozent Anwesenheit erreichen und hatten pro Tag ein Modul. Manche Fächer wurden insgesamt nur fünf Tage pro Semester gelehrt. Hier zu fehlen, war also nicht möglich. Zudem arbeitete ich zwei- bis dreimal die Woche abends zwei Stunden. Irgendwann wurde es mehr. Freie Tage, Semesterferien – wenn ich keine Uni hatte, arbeitete ich. Aber nicht, weil ich musste. Das Finanzielle spielte für mich dabei – glücklicherweise – keine Rolle. Meine Eltern haben mir das Studium und meinen Lebensunterhalt finanziert. Das Geld, welches ich in der Agentur verdient habe, konnte ich also sparen. Es hat mir einfach Spaß gemacht, zu arbeiten. Es hat mir aber auch Spaß gemacht, im Studium zu lernen. Allerdings hatte diese Zeit auch Schattenseiten. Das Studium war auf Vollzeit ausgelegt und genauso behandelten uns die Professoren auch. Wichtige Projekte in der Firma waren egal, Uni ging vor. Auch für meine Eltern!

Ganz schwer überschätzt hatte ich mich letztendlich mit der Bachelorarbeit. Ich habe Vollzeit gearbeitet und wollte die Thesis nebenher schreiben. Vier Wochen vor Abgabe stieg in mir die Panik auf. Ich hatte bisher keine Interviews geführt und eigentlich auch keine Zeit mehr. Ich musste die Stunden auf der Arbeit reduzieren. Das ging glücklicherweise problemlos, denn mein Chef war gleichzeitig mein Zweitprüfer, meine Thesis hing daher indirekt mit dem Unternehmen zusammen. Ich musste also feststellen: Studieren und Arbeiten geht. Aber man muss Prioritäten setzen, sich selbst gut organisieren und am allerbesten auch noch Glück haben!

Der weite Weg zum Master

„Der Bachelor zählt doch gar nicht richtig“ – ein Satz, den ich oft hören musste. Besonders bei Menschen älteren Semesters ein verbreitetes Vorurteil. Dem entgegen standen fast alle meine Freunde, die fest der Meinung sind, dass ein Studium einfach nur unnötig Zeit kostet und sich daher für eine Ausbildung entschieden haben – und damit wesentlich früher Geld verdienten als ich!

Letztendlich entschied ich mich für den Master aus einem ganz anderen Grund: Egal ob in der Schule oder im Sportverein – ich war irgendwie immer eine der Jüngsten, meist sogar das Nesthäkchen. Selbst zu meiner Abi-Feier durfte ich nicht mit dem Auto fahren, da ich noch keine 18 Jahre alt war. Ich machte mir irgendwann einen Spaß daraus und beschloss, dass es doch ganz cool wäre, mit 25 einen Doktortitel zu haben. Einfach nur, weil ich mir auch bei Bewerbungsgesprächen immer wieder anhören musste: „Sie sind ja so jung und haben nur ihr Abitur. Und was ist mit Berufserfahrung…“ Ja, was denn jetzt? Soll ich jung meine Abschlüsse haben oder Berufserfahrung sammeln? Und so habe ich mich dazu entschieden, während meines Studiums zu arbeiten. Außerdem wollte ich meinen Job nicht aufgeben, denn eine solche Stelle bekommt man aus meiner Position heraus wohl nur mit Glück – und wer hat davon schon zweimal im Leben so viel?

Meine Noten vom Bachelor waren recht gut. Letztlich sollte der duale Master auch nicht am NC scheitern, sondern wieder an fehlender Berufserfahrung. Ich kann also nicht dual studieren (zumindest im Master), wenn ich nicht mindestens ein Jahr gearbeitet habe – Vollzeit natürlich. So kam es also, dass ich unfreiwillig ein Jahr mit dem Studium pausieren musste und ins Berufsleben einstieg. Vollzeit, damit es mir auch komplett angerechnet werden konnte.

Mein Master im Fernstudium

Letztendlich habe ich mich dazu entschieden, weiterzuarbeiten und nebenbei zu studieren. Mein Master im Fach „Kommunikationsmanagement“ beginnt in diesem Sommer. Ich habe nicht das klassische Konzept mit Anwesenheitspflicht gewählt, sondern werde ein Fernstudium machen. Das bedeutet, dass ich kaum Anwesenheitspflicht habe – pro Semester etwa ein bis zwei Wochen. Und zu den Prüfungen muss ich natürlich auch. Alles andere lerne ich von zu Hause aus. So kann ich auch weiterhin beruflich Veranstaltungen begleiten, ohne darauf achten zu müssen, ob an diesem Tag Uni ist. Selbst das Konzept einer Ausbildung, also drei Tage arbeiten und zwei Tage Schule, wäre schwierig, da sich die Veranstaltungen nicht an meinem Arbeitsplan orientieren würden. Und noch ein wichtiger Punkt, warum ich vom dualen Studium weggekommen bin: Es gibt nicht viele Hochschulen hier in der Umgebung, an denen man die Fachrichtung Angewandte Medien studieren kann. Und da ich weiterhin hier arbeiten möchte, muss ich auch vor Ort oder eben aus der Ferne studieren können.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie es weitergehen wird – und wie sehr sich dieses Konzept von anderen unterscheidet! Auch wenn das mit dem dualen Master nun doch nicht geklappt hat, freue ich mich darüber, ein für mich so passendes Studienkonzept gefunden zu haben. Es lohnt sich also durchaus, für unterschiedliche Wege offen zu sein, um eine geeignete Hochschule mit dem passenden Studiengang und einem individuellen Konzept zu finden.

Hat dir Verenas Beitrag gefallen? Schreib uns doch einen Kommentar mit deinen Gedanken zum Thema! Du hast jetzt auch richtig Lust bekommen, einen Gastbeitrag auf Blitzlichtglitzer zu veröffentlichen? Schreib mir einfach eine Mail mit deinem Thema an hallo@blitzlichtglitzer.de. Ich freue mich auf deine Nachricht!

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