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Fernliebe

Posted in Liebe & Leben

21. Mai 2018.

Das Abendrot fliegt an meinem Fenster vorbei. Schwarze Silhouetten von Bäumen und Windmühlen. Im Zug ist kaltes Licht. Die Lüftung lässt mich frösteln. Es ist eine dieser Heimfahrten, die niemals zu Routine werden, obwohl sie Alltag einer Fernliebe sind. Heute ist es besonders spät und es sind angenehm wenige Menschen unterwegs. Ich versuche daran zu denken, was ich alles nicht geschafft habe an diesem Wochenende, und was ich am dringendsten nachholen muss. Doch in mir herrscht jene melancholische Ruhe, die einen befüllt, wenn man eine schöne Zeit hatte, die nun zu Ende geht.

Jedes Mal geht es mir so, wenn der letzte Abschiedskuss auf den Lippen getrocknet ist und die Türen schließen. Ein Pfiff, ein Ruck und wir fahren. Ich bewege mich jetzt immer weiter in die Dunkelheit gen Osten. So weit ist die Entfernung immerhin, dass nicht nur der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs sich um eine halbe Stunde unterscheidet, sondern auch kulturelle Verschiedenheiten zu Tage treten. Schließlich wohnt Anna so weit im Westen, dass man von ihr aus in kaum einer Stunde Holland erreicht, und ich weit genug im Osten, um innerhalb kurzer Zeit in Polen zu sein. Unsere Zugstrecke bildet auf der Landkarte eine beinahe horizontale Linie quer durch den Norden Deutschlands. Die beiden Meere sind gar nicht mal so weit entfernt.

Anna ist auf dem Dorf groß geworden, ich in einer mittelgroßen Stadt. Heute sind es Münster und Berlin, die Orte, die wir jede seit etwa fünf Jahren unser Zuhause nennen. Und die wir kaum verlassen, geschweige denn je in Frage gestellt hatten, bevor wir einander kannten.

Eine lockere Blogger-Freundschaft, die zur Fernliebe wurde, sobald wir den physischen Ort einmal teilten, entwickelt sich gerade zur festen Fernbeziehung, die bald zwischen Hamburg und Berlin stattfinden wird. Das ist näher, doch wir wollen gar nicht, dass die Entfernung auf Null schrumpft, auch wenn wir uns zuweilen danach sehnen.

Der Himmel ist zu einem samtig dunklen Schleier geworden, königsblau, und nur an den Enden (dem Horizont) mit einem rotgoldenen Saum verziert.

10. Juni 2018.

Händchenhaltende HändeDieser kleine Text, entstanden auf einem ICE-Sitz am Fenster, ist nur einer von vielen. Er soll eine Einführung sein in das Thema Fernbeziehung, das ich hier im Blog zum ersten Mal bespreche. Hast du Lust auf mehr? Stell deine Fragen zum Leben in einer Fernbeziehung! Ich berichte gerne von meinen persönlichen Erfahrungen. Meine Freundin Anna wäre ebenfalls bereit, mit mir zusammen oder in Form eines Gastbeitrags etwas zum Thema zu schreiben. Du führst selbst eine Fernbeziehung? Erzähl mir doch davon in den Kommentaren oder schreibe deinen eigenen Gastartikel für Blitzlichtglitzer! <3

Ein Kommentar

  1. Mica
    Mica

    Ich finde es sehr berührend, wie du deine Gedanken und Gefühle in Worte fasst.

    Ich stelle mir vor,eine Fernbeziehung schwebt zwischen zwei Polen.(Lustiger Verschreiber:Die Fernbedienung…😂) Einserseits vermisst mensch sich (ich versuche mich neuerdings im Gendern, gelingt vermutlich nicht immer*g*Ich weiß gar nicht, ob „mensch“ statt „man“ eigentlich noch gilt und ob es klein geschrieben wird🤷), hat Sehnsucht, fühlt sich zuweilen einsam, unvollständig, andererseits wird die Liebe immer wieder auf’s Neue beflügelt, bleibt frisch und aufregend, außergewöhnlich statt alltäglich und die geteilte Zeit hat einen besonderen Stellenwert. Ich finde es großartig, wenn Menschen sich auf dieses Abenteuer einlassen und es mit allen Höhen und Tiefen annehmen.

    23. Juni 2018
    |Antworten

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